Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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212 das Herzogtum Glogau geschenkt worden war, ihnen sehr wenig wohlgesinnt war. Ihre flehentliche Bitte wegen freier Wohnung und unbeschränkten Aufenthalts in den Weichbildstädten der Herzogtümer Glogau und Sagan wies er mit der Erklärung zurück, daß er ihr Gesuch zu bewilligen, noch keineswegs entschlossen sei. Auch trage er aus manchen Gründen schweres Bedenken, sie fürder in seiner Stadt Glogau zu dulden. Es sei demnach bis auf seine fernere Resolution ihre Hineinlassung zu differieren, inmittelst aber, was sie an Schulden auf seine Landstaedte hätten, umständlichst zu untersuchen und gründlich zu berichten1). Die Antwort traf die Juden wie ein Keulenschlag. Ihre ganze Gegenwart und Zukunft schien plötzlich in Frage gestellt. Gab es denn irgend eine Hoffnung auf Mitleid und Erbarmen für die Ungläubigen angesichts der Greueltaten, die soeben von den Liechtensteiner Dragonern und dem ״Seligmacher“ Graf Hannibal von Donar an ihren evangelischen Mitchristen verübt worden waren?2) Wir wissen nichts über die Maßregeln, die sie ergriffen oder ergreifen wollten, um das Unheil abzuwehren. Schließlieh bedurften sie deren kaum. Wieder einmal kam ihnen die Rettung ohne ihr Zutun. Meuchelmord setzte dem Ehrgeiz des Generalissimus ein Ziel3). Kach seinem Tode (25. Februar 1634) fiel das Fürstentum Glogau wieder an den Kaiser zurück, und ganz von selbst erlangten für die Juden die kaiserlichen Freibriefe wieder ihre Vollkraft. Auch die Leiden des Krieges nahmen ihren Fortgang. Schweden, Sachsen und Kaiserliche rangen um den Besitz der Festung4), bis der Prager Sonderfriede den Drangsalen ein vorläufiges Ende machte. Bald darauf wurden auch die Verhandlungen wegen des Judenviertels wieder aufgenommen. Sachwalter der Juden waren dabei Mart und Israel Benedikt, Mart und Heinrich Sachse und Aron Geißvogel. Am 27. Januar 1636 x) Schreiben Wallensteins d. d. 30. Oktober 1633 (Berndt, Juden, S. 24. Glogau I, S. 130). 2) Acta publ. VIII, S. 222 ff. IX, S. 271. Scliles. Landeskunde, geschieht!. Abt. (Leipzig 1913), S. 73, 117, 126. 3) Wittich in der ADB, Bd. 45, S. 582. Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte II5, S. 170. 4) Minsberg II. S. 30 f. Berndt, Glogau II, S. 132—159.