Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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211 von Oppersdorf die Erlaubnis, einige neue Wohnhäuser zu errichten1). Nicht lange sollten sie sich ihres Besitzes erfreuen. Mitten in den Drangsalen, die der dreißigjährige Krieg über Schlesien bereits gebracht hatte, erging der Befehl, Glogau zu einer besonders starken Festung gegen den anrückenden Schwedenkönig, von dem man annahm, daß er sofort nach Schlesien marschieren werde, umzubauen. Auf Befehl des Grafen Montecuculi2׳) mußten zur Anlage der Hauptwälle die Vorstädte sofort geräumt und alle draußen stehenden Häuser schleunigst abgebrochen werden. Drei Barchen, vier Hospitäler und vierhundertsechsundachtzig Wohngebäude, nebst den dazugehörigen Gärten und Gehöften fielen ohne Entschädigung dem Befehl zum Opfer3). Einbegriffen war dabei auch die ganze Judengasse, nebst den fünf neuen, erst jüngst im Zehnthot vollendeten Häuschen. Ungesäumt versuchten die Obdachlosen ihre hauswirt-. scliaftliche Selbständigkeit wieder herzustellen. Das dringende‘ Gesuch, sich auf dem alten Platze neu anzusiedeln, wurde vom Landeshauptmann rundweg abgeschlagen. Darum baten sie am 14. November 1631 den Kaiser, ihnen wenigstens in der Nähe des Schlosses einen neuen Baugrund, aber um 60 Ellen breiter und größer als den früheren, der mit seinen 200 Ellen in der Länge und 80 Ellen in der Breite sie in ganz unerträglicher Weise zusammengepfercht hatte, anzuweisen und sie nach wie vor unter Amtsjurisdiktion zu stellen. Gleichzeitig ersuchten sie um die Erlaubnis, eine Synagoge zu erbauen und Zeremonien und Gottesdienst wie überall iu kaiserlichen Landen zu halten. Zur Verhandlung mit der Stadt über die Abtretung der erforderlichen Plätze möchte ein Ausschuß ernannt werden. Schon am 7. Januar 1632 trat der Ausschuß zusammen. Aber die Abneigung des Bates, die Juden in das eigentliche inner(‘ Stadtgebiet zuzulassen, war nahezu unüberwindlich. Dazu kam, daß Wallenstein, dem damals *) Gleichzeitig erhielt die ,,Kaiserin” eine Bestätigung— vergl. oben S. 208, Anm. 1 — der ihr am 7. Dezember 1612 erteilten Konfirmation über den Besitz ihres Hauses (a. a. O., lbl. 204). Vielleicht ist dieses* Haus beim Brande verschont geblieben. 2) Berndt, Juden, S. 23. 3) Minsberg II, 126 ff. Berndt, Glogau I, 116.