Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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208 Nachkommen und niemand anders hierdurch verstanden oder gemeint“ sei1). Die neue Gnade des Kaisers vergrößerte nur noch den Unwillen des Kats uud der Bürgerschaft gegen die Juden. Dazu kam das Elend, das der ausbrechende Krieg über das Land brachte, die Zunahme von Kaub und Mord auf den Land- Straßen, der Unfug der Kipper und Wipper 2), die Hungersnot und nicht zuletzt der Glaubenshaß, mit dem die Päpstlichen, die Lutheraner und Kalvinisten einander verfolgten. Es mußten schon sehr schwerwiegende Interessen sein, die in solchen wilden Zeiten einen hohen Herrn bewegen konnten, sich gerade eines Ungläubigen anzunehmen. Und sie wogen in der Tat recht schwer. Denn der Landeshauptmann erhielt alljährlich 100 Thaler zu St. Georgii, 60 Thaler für den Friedhof zu demselben Termin, einen Dukaten bei jedem Todesfall, noch besonders 51,4 Thaler für das Häuschen auf dem Friedhof und endlich für das Kecht zu schlachten zu Martini 6 Stein Talg auf das Schloß, zu St. Georgii 8 Dukaten bar und während des ganzen Jahres die Lieferung aller für die Juden unbrauch־ baren Teile des Schlachtviehs zum Selbstkostenpreise auf das Schloß3). Vergeblich wies unter solchen Umständen der Kat aus den alten Pergamenten nach, daß er von Herzog Hans her das Privileg de non amplius recipiendis judeis besitze, daß nach wiederholten Fürstentagsbeschlüssen Juden in Schlesien nirgends wohnen dürfen, daß die Erbauung von Bethäusern, die Einrichtung von Begräbnisplätzen nach kanonischem x) Vgl. die Erklärung d. d. Prag, 19. November 1616, in lib. nig. Nr. 174, S. 604. Der Name ,,Kaiserin“, der dem hebräischen Malkali entspricht, ist zuerst in einer Konfirmation über ihren Iiauskauf, d. d. 7. Dezember 1612, erwähnt (Staatsarch. Ft. Glogau III, 15d, fol. 204, Urkunde vom 20. September 1623). — ,,Verstanden und gemeint“ waren demnach, wie wir anderweitig erfahren, von Benedikt Israel 4 Söhne und 4 Töchter, von denen eine ohne Leibeseiben starb, von Kaiserin, der Witwe Abrahams, 4 Söhne und 3 Töchter, und von Susanne 8 Nachkommen, zusammen also etliche zwanzig Familienhäupter (Berndt, Juden, S. 36). 2) Schon im 13. Jahrhundert bedrohten die maßgebenden rabbiuischen Autoritäten das Beschneiden der Münzen mit strengen Strafen, vgl. RGA d. R. Meir v. Rothenburg, od. Lemberg, Nr, 246. 3) Staatsarchiv, Urbar des Amts Glogau (Glogau, I, 5), Landbuch des Fürstentums Glogau III, 151, fol. 181 f, d. d. 14. September 1623. Vgl. auch Berndt, Juden, S. 54 f.