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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1916-01-01 · 1915 (1916) · page 17

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1915 (1916)
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721035--16-2725914
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17 Eine Lösung des Widerstreites erscheint nur auf dem Wege, den die Bibel selbst andeatet. Sur darum vermag der Mensch sittlich zu handeln, weil der Mensch dem sittlichen Wesen Gottes verwandt ist. Im sittlichen Handeln unterwirft sich der Mensch wie Gott, so seiner eigenen Erkenntnis des Hechten. Die Fähigkeit vernünftig zu handeln ist die den Menschen auszeichnende Eigenschaft und so groß die Unterschiede zwischen den Menschen sein mögen, beansprucht doch ein jeder als Vernunftwesen anerkannt zu werden. Die sittliehen Forderungen fließen aus der Vernunftnatur des Mensehen. Darum ist sittliches Wollen dem Menschen notwendig. Nie kann der Mensch mit der Unreinheit seines Handelns einverstanden sein. In der Selbstverpflichtung zu sittlichem Handeln liegt die Gewißheit, daß das Sittliche, wie es Forderung der eigenen Vernunft ist, eine Macht ist, die uns zu beherrschen vermag. Sündhaftigkeit ist der sittlichen Überzeugung eine Verkehrtheit des menschlichen Willens, die stets nur als aufhebbar beurteilt werden kann, weil das Sittliehe die tiefste Bestimmung und Bestimmtheit des mensehliehen Wesens ist. Die Versöhnung zwischen der Forderung der Ethik und der Erkenntnis der Notwendigkeit auch des Wollena gewährt allein der Glaube, daß der Mensch für das Gute geschaffen ist. Wohl gehen die Handlungen aus der Bestimmtheit der Charaktere hervor. Aber die Charaktere sind fähig, im Sinne der sittlichen Aufgaben sieh zu bestimmen und bestimmt zu werden, weil sie im Tiefsten auf das Sittliche angelegt sind. Dies ist der Glaube der jüdischen Religion, der das Gute als Grund und Sinn der Welt anerkennt und auf diesem Glauben ruht das Hecht und die Notwendigkeit der Erziehung, der Entwicklung der sittlichen Energie und der Schwächung der entgegenstehenden Triebe. Darum ist in der jüdischen Religion Sünde kein Fatum, das mit der Schwäche des Menschen gegeben ist, sondern Abfall, Treulosigkeit gegen seine Bestimmung, gegen Gott. Wohl erkennt die jüdische Religion die Schwierigkeiten, die dem guten Willen entgegenstehen in der Macht des eigensüchtigen, triebhaften Lebens. So wenig aber deswegen das Vertrauen zur Versittliehung der realen Wirklichkeit wankt, so sehr empfindet andrerseits jüdische Religiosität das Be• dürfnis göttlicher Liebe und Hilfe im ernsten sittlichen Kampf mit dem Triebe zum Bösen. Sittlichkeit ist der jüdischen

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