Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1915 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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9 sittlichen Idealismus der prophetischen Gotteserkenntnis wohl vereinbar. Es ist charakteristisch, wie die prophetische Naturanschauung von ethischem Pathos getragen die Naturkräfte für das Sittliche Partei ergreifen läßt, die physischen Gesetze in sittlichen gegründet die Erhabenheit uud Schönheit der Natur, die Tiefe des Seins begründen. Andererseits aber involviert der Begriff des Sittlichen die Einheit der geistigen Persönlichkeit. Der Begriff der Persönlichkeit hinwiderum widerstrebt dem Ergossensein in die ausgedehnte Wirklichkeit, so gewiß er nicht physische Energie, sondern geistiges Wollen zur Einheit bringt. So vermag keine theoretische Vorstellung vom Sein und Wirken Gottes dem sittlichen Gehalt seines Wesens ganz gerecht zu werden. Sowohl die Vorstellung Gottes als der der Welt jenseitigen Persönlichkeit, wie der die Welt durch wirkenden sittlichen Macht bringen nur teilweise den Gehalt des Gottesbewußtseins zur Darstellung. Ebensowenig aber als eine adäquate Vorstellung der Porm göttlichen Seins und Wirkens ist der entgegengesetzte Gedanke einer absoluten Unerkennbarkeit Gottes, ein Agnosticismus mit der jüdischen Religion vereinbar. Gott ist seinem Wesen nach durchaus das Sein der Sittlichkeit. Gleichwohl besteht ein Unterschied zwischen religiöser und sittlicher Erkenntnis. Sittliche Erkenntnis kennt allein die Aufgabe des Menschen, sein Leben zur Einheit objektiven Wollens und Handelns zu erheben. Religiöse Erkenntnis erfaßt im Guten nicht allein die Aufgabe des Menschen, sondern die schöpferische und herrschende Macht Gottes. Religion weist die metaphysische Bedeutung des Sittlichen auf, stellt nicht nur seinen Rang in der Welt der Ideen, sondern seine Macht in der Wirklichkeit als Grundmacht des Seienden fest. Dadurch aber, daß die religiöse Erkenntnis Gottes inhaltlich mit der Idee der vollendeten Sittlichkeit zusammentrifft, hat die jüdische Religion ihre Reinheit gesichert, die Religion von der verwirrenden Schwärmerei einer naturalistischen Mystik geschieden. Das Wirken Gottes in der Natur ist ausschließlich die Macht des Heiligen in der Welt. Eine Einschränkung der Existenz und Wirksamkeit Gottes findet die religiöse Reflexion in dem Bösen und dem Unglück. Ausgeschlossen ist es, daß der heilige Gott Ursache der Bosheit der Menschen, ihrer Vergehen gegen die Forderungen Gottes sei. Darum ist das Böse von der jüdischen Religion