Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1915 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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8 kündet die Eeligion desgleichen in dem religiösen Grundbegriff der Schöpfung der Welt durch Gott. Für die Wissenschaft existiert nicht der Begriff der Schöpfung, so gewiß es nicht die Aufgabe der Wissenschaft ist, das Dasein der Wirkliehbeit zu deduzieren, sondern ihr Sein zu erkennen. Der Begriff der Kausalität, angewandt auf das Ganze der Wirklichkeit, ist der Wissenschaft ein leerer Begriff, der für sie nichts bedeutet, weil es außerhalb der wissenschaftlich erfahrbaren Wirklichkeit keine wissenschaftliche Erkentnis gibt. Dem religiösen Bewußtsein hinwiderum ist die ganze Kette wissenschaftlicher Wirklichkeitserkenntnis gleichgültig. Das religiöse Bewußtsein ist nur der Tatsache zugänglich, daß Gott, der Heilige von ihm als Herr der Welt erfaßt wird, daß es kein Sein neben Gott gibt, das dem heiligen Sein Gottes nicht unterworfen wäre. Dies bedeutet die Schöpfung der Welt durch Gott, daß Gott der Herr der Welt ist, durchaus nicht aber eine wissenschaftliche Theorie über die Entstehung der Welt. Das Interesse der Eeligion setzt da ein, wo das der Wissenschaft aufhört, in der Frage ob dem Sein ein Sinn zugründe liege und diese Frage beantwortet die jüdische Eeligion bejahend: Gott der Heilige ist der Schöpfer der Welt. Gemäß dem Sinn und Wesen Gottes ist die Energie der jüdischen Gotteserkenntnis auf die Fernhaltung alles Sinnlichen von der Vorstellung des göttlichen Seins gerichtet. Nicht. zu reden, daß Gott mit einem Gegenstand der Natur, selbst dem Strahlendsten gleichgesetzt werden dürfe. Aber auch das Ganze der Natur kann ihn nicht fassen, dessen heiliger Sinn über alle Wirklichkeit erhaben ist. Darum ist die prophetische Gotteserkenntins sowohl dem Polytheismus entgegengesetzt, wie auch ein Pantheismus, der Gott mit der Macht und dem Leben der Natur gleichsetzt, dem sittlichen Wesen Gottes nicht Genüge tut. Im Begriff der göttlichen Wirksamkeit aber ist eine Eelation zwischen Gott und Welt durch das religiöse Bewußtsein festgestellt, die alles Seiende in absolute Anhängigkeit von Gott bringt. Da aber das Seiende der wissenschaftlichen Erkenntnis eine in konstanten Gesetzen bestehende Einheit bedeutet, vermag auch göttliches Wirken nicht in Unabhängigkeit vom Wirken der Natur vorgestellt zu werden. Unter Festhalten am sittlichen Wesen Gottes ist daher die Vorstellung eines sittlichen Pantheismus, einer die Gesetzlichkeit der Natur durchwirkenden sittlichen Macht mit dem