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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1916-01-01 · 1915 (1916) · page 5

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1915 (1916)
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721035--04-2725902
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ס Die Propheten selbst als die Schöpfer der jüdischen Religion legen das entscheidende Gewicht für das Recht ihrer Verkündigung Gottes nicht auf die Zeichen, Gesichte und Begebenheiten, in denen ihnen Gottes Wille kund wird» sondern auf die ideelle Notwendigkeit des Inhaltes ihrer Verkündigung Gottes. Das ist der wahre Prophet, der Gott als den Heiligen erkennt. Die Wahrheit der prophetischen Verkündigung liegt in der seelischen Notwendigkeit, mit welcher das Sittliche, Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit als Bekundüngen Gottes, seines Wesens und Willens erkannt und alles Seiende in seiner Bedingtheit durch den heiligen Gott erfaßt wird. Aus der Energie des sittlichen Willens, der machtvollen Liebe zum Guten strömt dem Propheten die Kraft, das Gute als Gott zu erkennen. Der Wert des Sittlichen läßt ihn das Gute als die Wurzel der Welt erkennen. Ist Religion schlechthin das Gefühl der Bedingtheit des Menschen durch Gott, so ist die jüdische Religion das Bewußtsein, daß der die Welt beherrschende Gott der Heilige ist. Weil die Liebe zum Guten jedem Menschen erreichbar ist, ist die Erkenntnis Gottes jedem reinen Willen zugänglich. ״Wäre doch das ganze Volk Propheten!“ (4. B. M. 11,29). Liebet das Gute und ihr findet Gott, ist die Gewißheit der jüdischen Religion. Die Wissenschaft kennt keinen Gott und darf keinen kennen. Nicht die Naturwissenschaft, die die konstanten Be- Ziehungen des Seienden feststellt. Denn damit diese Beziehungen objektive, wissenschaftlich gültige seien, müssen sie durch Erfahrung als deren Analyse festgestellt werden. Gott aber ist kein Objekt, dessen Beziehungen zur Welt der Erfahrung wissenschaftlich feststellbar wären, weil Gott kein Natur-Sein, sondern das Sein des Sinnes ist. Den grundlegenden Unterschied von Sein und Sinn bedeutet es, wenn der Prophetismus Gott von der Welt der Sichtbarkeit scheidet, sein Sein als über das Sein der Natur erhaben feststellt. Der sittliche Idealismus der Propheten unterscheidet das sittliche Sein Gottes vom sinnlich erfaßbaren Sein der Natur. Der Idealismus der Wissenschaft, die Erkenntnis des Grundcharakters der Wissenschaft bestätigt diese Unterscheidüng von seiten der Wissenschaft. Der konstruktive Grundzug der modernen Wissenschaft hat die Sichtbarkeit als Bedingung des Seins der Natur aufgehoben, die Natur als

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