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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1916-01-01 · 1915 (1916) · page 4

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1915 (1916)
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721035--03-2725901
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4 dieser entscheidenden Erkenntnis des Guten als der Offenbarung der Herrlichkeit Gottes beginnt und besteht die Religion Israels. Durch die Propheten ist Sittlichkeit der Zentralbegriff des göttlichen Seins und Wirkens und zugleich der Grundbegriff des menschlichen Wesens geworden, besteht zwischen Gott und Mensch das allein religiöse Verhältnis des Vorbildes und des nachfolgenden Strebens. |״Heilig sollt Ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, Euer Gott.“ (3. B. M. 19, 2.) Durch Jahrhunderte bemühte sich die Religionsphilo- Sophie die Existenz Gottes zu beweisen. Nie aber kann eine Existenz, eine Wirklichkeit aus bloßen Begriffen gefolgert werden, da Wirklichkeit sich nie anders als durch Wirksam keit bekundet. Der Schluß aber von der Wirklichkeit sei es hinsichtlich ihres bloßen Seins oder selbst ihrer Beschaffenheit auf eine außerhalb der Wirklichkeit liegende Ursache, Gott gewährt keinen Erkenntnisgehalt und ist daher wissenschaftlich unzulässig. Die Wirklichkeit Gottes bedeutet in der jüdischen Religion seine Wirksamkeit als die Grundmacht des Heiligen, Religion das Bewußtsein, daß sittliches Wollen Wille Gottes ist. Worauf gründet sich dieses Bewußtsein? Ohne die religiöse Überzeugung, daß das Gute Gott ist, besteht die Aufgabe für den Menschen, sein seelisches Sein zu einem sittlichen Sein zu formen, gibt es die Aufgabe des sittlichen Willens. So gewiß aber die Idee des Sittlichen vom bloßen Natursein des Menschen unterschieden ist und dennoch die Wirklichkeit des Menschen der Idee der Menschheit untergeordnet wissen will, kann die Idee des Sittlichen von sich aus, nicht die Gewähr bieten, daß das Sittliche möglich, wirklich wird, daß das Reich der sittlichen Menschheit komme. Die Religion begründet diese Gewißheit des Sieges des sittliehen Willens. Der heüige Gott sichert den Bestand, das Reifen der sittlichen Kultur. Dies das Sein, die Wirksamkeit Gottes, daß das Sittliche Wirklichkeit werde1). Religion gibt dem sittlichen Handeln die Gewißheit des Gelingens. Diese tiefdringende Erwägung der kulturellen Notwendigkeit des religiösen Glaubens aber ist noch nicht der Beweis der psychischen Möglichkeit und Wirklichkeit dieses Glaubens. Woraus, aus welchen Tatsachen geht der jüdischreligiöse Glaube an einen heiligen Gott hervor?!) H. Cohen: Kants Begründung der Ethik.

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