Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1913 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
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48 denen der As‘aujja merkwürdigerweise übereinstimmen.105) Peter d'Ailty leugnet die notwendige Verknüpfung zwischen Ursache und Wirkung. Ursache und Wirkung verhalten sich nicht so zu einander, dass die Wirkung aus der inneren Natur, ex natura rei, notwendig hervorginge, oder notwendig eine bestimmte Ursache voraussetzte (Jahrb. S. 296). Die gleiche Ansicht vertritt Nikolaus von Autricuria, der auch ausdrücklich einen atomistischen Standpunkt einnimmt, jede innere Wesensform leugnet und alles Entstehen und Vergehen lediglich auf Trennung und Verbindung der Atome zurückführt (das. S. 303.). Wir sehen also eine Uebereinstimmung mit den Asarijja im Substanz- und Kausalitätsbegriff. Die gleiche Uebereinstimmung finden wir in der Moralphilosophie. Peter d’Ailly sowohl, als Nikolaus von Autricuria und Okkam huldigen einem schrankenlosen Voluntarismus. Keine Handlung, sagt Peter d’Ailly, ist aus ihrem inneren Wesen verdienstlich und strafwürdig, sondern durch das Belieben und Missbelieben Gottes (das S. 300.). Das Gleiche gilt nach Nikolaus (S. 305) und 1Okkam, dessen Voluntarismus, wie Ritter sagt, hier und da geradezu an Frevel grenzt (das. S. 411). Selbst der Hass gegen Gott, der Diebstahl und der Ehebruch sind nicht an sich böse, sondern bloss insofern Gott sie nicht will; würde Gott sie wollen oder sie jemanden vorschreiben, wären sie verdienstlich; Gott kann sie den Menschen befehlen, und dann ist der Hass Gottes eine sittlich gute Tat (S. 411 und in bezug auf Peter S. 300). Und eben darum, weil gut und böse nur vom Willen Gottes abhängt, gibt es für Gott keine unveränderlichen Gesetze, sondern nur für uns, insofern Gott es will (S. 411). Daher lehrt Okkam, dass Gott den Sündenlosen hassen und denjenigen , der mit Sünde behaftet ist, nicht hassen kann (das). Ebenso sagt Peter, ״wenn Gott das Geschöpf ohne jegliche Sünde und Schuld ewig bestrafen und leiden Hesse, es wäre keine Ungerechtigkeit oder Grausamkeit“ (S. 300.) Fügen wir noch hinzu den Zweifel, ob es einen letzten Zweck der Dinge gebe (S. 299 in bezug auf Peter und in bezug auf Nikolaus S. 305), so ergibt sich eine Uebereinstimmung in so vielen Punkten, dass man an einen Zusammenhang mit dem Kalam denken muss. Zwar hat Manser zu zeigen versucht, wie all die auffälligen Ansichten bei den genannten Scholastikern innerlich Zusammenhängen und sich gleichsam mit logischer 105) Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie, herausgegeben von Commer, 1912, S. 291—305, 405-437.