Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1913 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721037--068-2725862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
29 Ob man nun, wie von mancher Seite geschehen ist,60) ohne weiteres zwischen der Causalitätslehre der As‘arijja und den Skeptikern, die bekanntlich auch gegen den Causalbegriff ihre Angriffe richten, einen Zusammenhang anzunehmen hat, könnte sehr fraglich erscheinen. Denn erstens lassen es die Skeptiker dahingestellt sein, ob es Ursachen gibt oder nicht, während die As4arijja mit aller Bestimmtheit jede Causalität den geschöpflichen Dingen absprechen, ebenso wie sie mit gleicher Bestimmtheit in Gott die transcendente Ursache der Welt und alles Weltgeschehens erkennen. Zweitens kommt ein noch weit wichtigerer Unterschied in Betracht. Es ist die Tatsache, dass gerade der Punkt, auf den es in erster Reihe ankommt und auf den auch die neuere Philosophie hauptsächlich ihr Augenmerk gerichtet hat — die Frage nämlich, wie wir dazu kommen, an die Stelle des erfahrungsmässigen Nebeneinander und Nacheinander der Erscheinungen einen ursächlichen Zusammenhang zu setzen — von den Skeptikern in ihrer Kritik des Causalitätsbegriffes merkwürdigerweise völlig ausser Acht gelassen wird, während die As'arijja diesen Punkt ganz richtig ins Auge fassen.61) Mit Rücksicht auf die Causalitätslehre allein würden wir demnach keineswegs einen Zusammenhang mit der Skepsis annehmen. Da sich uns aber Beziehungen zwischen den Asariten und den Skeptikern ohne dies mit Sicherheit ergeben haben, können wir mit Recht vermuten, dass auch die Causalkritik der Skeptiker nicht ohne Einfluss auf die As4arijja geblieben sei. Indem wir uns nun der Causalitätslehre der As4arijja zuwenden, müssen wir bemerken, dass uns in den Berichten keine zusammenhängende Darstellung vorliegt, dass wir jedoch aus den fragmentarischen Aeusserungen in den verschiedenen Quellen ein Gesamtbild ihrer Anschauung gewinnen können. Was zunächst den Ursprung des Causalbegriffes betrifft, abgesehen von der Frage, ob derselbe objektive Gültigkeit hat oder nicht, so wissen wir nicht, ob dieser Punkt von den Asariten in älterer Zeit erörtert wurde. Beiläufig jedoch wird dieseFrage von Al-Razi berührt, welcher bemerkt, dass wir vom Begriffe des Wirkens eine unmittelbare Kenntnis durch unsere eigene Tätigkeit haben, da es jedermann klar ist, was die Ausdrücke: ich habe das Fleisch zerschnitten, ich habe f>0) Vgl. Stein, Archiv f. Geschichte d. Philosophie II, S. 193 ff. und Goldziher, Kultur der Gegenwart I, 5, S. 50. 61) Vgl. Zeller, III, 2, S. 52.