Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1914-01-01 · 1913 (1914) · page 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1913 (1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2720904-2721037--067-2725861
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 Einfluss war, welcher bekanntlich mit grossem Nachdruck gerade auf die in sittlichen Dingen unter den Menschen herrschende grosse Meinungsverschiedenheit hin wies, um daraus den Schluss zu ziehen, dass die Bestimmungen von gut und böse, gerecht und ungerecht, lediglich das Ergebnis von Menschensatzung und Herkommen seien.57) An Stelle des Herkommens und der Menschen- Satzung ist nun bei den ASariten die Offenbarung, die freie Be- Stimmung Gottes, getreten. Wie wir also anderwärts in der Ansicht der Mutazila den Einfluss der Stoiker nachzuweisen versuchten,58) werden wir in der Ansicht der As:arijja den Einfluss der Skeptiker, der eifrigsten Gegner der Stoiker, erkennen, gegen die sich ihre Polemik gewöhnlich richtet, wenn von ״dogmatischen Philosophen‘4 schlechthin die Rede ist. B. Die Causalskepsis. In engem Zusammenhang mit der Auffassung der As‘arijja vom Sittengesetz steht ihre Ansicht vom Naturgesetz; der Gegensatz von ipuatt und vöfiw setzt sich sozusagen vom ethischen Gebiete auf das Gebiet der Natur fort. Während nach den Mutaziliten alle Veränderungen in der Natur nach einem unverbrüchlichen Gesetz mit Notwendigkeit aus dem Innern der Dinge erfolgen, verwandelt sich für die Asariten der Begriff der Natur und des Naturgesetzes selbst in eine Art von Herkommen, von äusserer Satzung, die nur momentane Geltung hat und jeden Augenblick aufgehoben werden kann. Aller Naturzusammenhang löst sich für sie in einen blossen Schein auf, in eine rein äusserliche Aufeinanderfolge von Erscheinungen, die durch kein inneres Band zusammengehalten werden. Die As‘arijja leugnen jede Causalität der endlichen Dinge und lassen nur Gott als wirkendes Prinzip zurück, sodass von einer ursächlichen Verknüpfung, von einem Ineinandergreifen der Dinge, nach ihrer Meinung selbstverständlich nicht die Rede sein kann. Daher denn auch dies ein ständiger Vorwurf ihrer Gegner ist, dass von ihnen der Begriff der Natur aufgehoben wird.59) 57) Vgl. Sextus, P. H. III, 179 ff. adv. Math. XI, 42 ff. 58) Ueber den Einfluss der griechischen Philosophie auf die Entwicklung des Kalam, S. 25. 59) Vgl. Klaimuni, More I, c. 73, VI.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.