Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1913 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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27 letzte Grund des Unterschiedes zwischen gut und böse ausschliesslich in einer freien Bestimmung Gottes zu suchen sei. Sehr eingehend wird diese Ansicht von Ihn Hazm begründet, der in dieser Frage mit den Asariten übereinstimmt. Mit aller Entschiedenheit tritt er der Ansicht der Mutaziliten entgegen, dass es Handlungen gebe, die an sich unter allen Umständen verwerflich, und solche, die ebenso unbedingt löblich seien, vielmehr würden alle Handlungen erst durch den Willen Gottes zu guten oder tadelnswerten gestempelt. Ebendarum, weil es keine an sich guten oder verwerflichen Handlungen gebe, weil sie erst durch den Willen Gottes zu solchen werden, existiere der Unterschied zwischen gut und böse nicht für Handlungen der Tiere.56) Es leuchtet von selbst ein, welch weittragende Kon- Sequenzen der moralpositivistische Standpunkt der Asariten in sich einschliesst. Die Abhängigkeit des Guten und Bösen von dem Willen Gottes hebt die absolute Verbindlichkeit der Moralgesetze auf; was heute verwerflich, kann morgen durch den Willen Gottes zur Pflicht gemacht werden und umgekehrt. Hingegen verbindet sich mit der Ansicht, dass der Gegensatz von gut und böse von Natur gegeben sei, von selbst die Konsequenz, dass es nicht in der Willkür Gottes stehe, gut und böse miteinander zu vertauschen. Weit wichtiger aber ist eine andere Folgerung, auf die wir später noch zurückkommen werden, und die die Frage betrifft, ob auch Gott in seinem Wollen an den Unterschied zwischen gut und böse gebunden sei. Während sich aus der Ansicht der Mutaziliten mit Not- Wendigkeit ergibt, dass jener Unterschied auch für Gott existiert, weshalb sie auch als Prinzip des göttlichen Waltens die Gerechtigkeit bezeichnen, folgt aus der Ansicht der Asariten von selbst das Gegenteil, und demgemäss erklären sie auch als Prinzip des göttliehen Waltens nicht die Gerechtigkeit, sondern den absoluten Willen. Obgleich nun, wie schon aus diesen Andeutungen zu ersehen ist und später noch klarer sich zeigen wird, der Moralpositivismus der As‘arijja mit ihren anderweitigen Lehren aufs engste zusammenhängt, so glauben wir dennoch, dass für ihren Standpunkt zunächst der griechische Skeptizismus nicht ohne 56) Ibn Hazm III, S. K5: q I^ IÄS qL' jii xil 1415 ^^׳״*לד J3.Ü5 xii| L>|