Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1913 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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26 Verschiedenheit, welche bereits in der Geschichte der griechischen Philosophie auftaucht, um sich bis in die Neuzeit fortzusetzen, und durch den Gegensatz von if'jazi und vu<w) kurz bezeichnet wird. Während Sokrates und Plato der Ansicht sind, dass es von Natur einen festen unwandelbaren Unterschied zwischen gut und böse gebe, beruht nach den Sophisten der Gegensatz von gut und böse lediglich auf willkürlicher Satzung und ist dem beständigen Wechsel der Anschauungen unterworfen.51) Auf den ersteren Standpunkt stellen sich die Mutaziliten und drücken dies durch die Behauptung aus, der Unterschied zwischen gut und böse, ebenso wie das Dasein Gottes, sei auch ohne Offenbarung und lediglich durch Vernunftbetrachtung für jeden Denkenden klar.52) Dieser Ansicht schliessen sich auch die jüdischen Religionsphilosophen zum grossen Teil an, und das Religionsgesetz zerfällt nach ihnen in zwei Klassen, in Vernunft- und Offenbarungsgebote, d. h. in Vorschriften, die von selbst •der Vernunft einleuchten und solche, die der Mensch nicht von selbst einzusehen vermag und die daher durch Offenbarung mitgeteilt werden mussten.53) Nur Maimuni spricht sich abfällig über jene Einteilung in Vernunft- und Offenbarungsgebote aus, ohne seine Gründe näher anzugeben.54) Im Gegensatz zu den Mutaziliten vertreten die As‘arijja einen Standpunkt, den man als theonomen Moralpositivismus bezeichnen kann. Sie behaupten, dass alle notwendigen Pflichten durch die Offenbarung gegeben seien und der Verstand nichts als notwendig setze und nicht das Urteil über die Schicklichkeit oder Schimpflichkeit einer Handlung bestimme.55) Das bedeutet nicht etwa, dass der Unterschied zwischen gut und böse für das blosse Denken nicht auffindbar, sondern vielmehr dass er ohne Offenbarung überhaupt nicht vorhanden sei. Ihre Ansicht geht dahin, dass der 5,) Dass diese Ansicht den Arabern bekannt war, geht aus *M-Kifti hervor, der S. fO im Namen der griechischen Naturphilosophen die Ansicht anführt: IÄ.P ^b Lg-Jl ^1 ^3^1 y* gyj) L\p. 52) S ־hrastani I, S. 36 von Hudail CiuJI ^b *JjS näjLwJI) und ebenso von den andern Mutaziliten an verschiedenen Stellen. 53) Saadia, Emunot S. 59. M) Vgl. שמנד. פי־קים, Abschnitt 6. *,5) Sahr., S. 73, von Al־As‘ari: