Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1913 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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19 weiter nichts wissen, als die nackte Tatsache, dass es unter den Juden und Arabern Leute gegeben hat, welche der griechischen Zweifellehre huldigten, ohne näher zu erfahren, in welcher Weise sich dieser Skeptizismus äusserte und ob er in irgend einer Weise sich von der griechischen Skepsis unterschied. Was wir vor Allem wissen möchten, das ist, ob nicht Spuren der griechi־ sehen Skepsis sich noch in einer der verschiedenen Richtungen der arabischen Philosophie entdecken lassen. Wir glauben nun, dass in der Richtung des As‘arijja sich tatsächlich solche Spuren nachweisen lassen, und dass nur durch die Annahme einer Beeinflussung durch die Skepsis das ganze System des As‘arijja in seinen einzelnen Teilen wie in seinem Grundgedanken verständlich wird. Die As‘arijja haben die Lehre des Demokrit erneuert und bezeichnen mit ihm das Volle und Leere als die beiden Prinzipien des Seienden. Der Körper besteht nach ihnen aus unteilbaren Teilen, Atomen, und alles Entstehen und Vergehen ist nichts anderes als eine Verbindung und Trennung jener Teile. Ihr theologischer Standpunkt zwingt die As‘arijja, in einzelnen Punkten von Demokrit abzuweichen. So z. B. sind die Atome nach Demokrit ewig, während sie nach den As‘arijja von Gott geschaffen sind. Manche Einwürfe, die von Aristoteles gegen die Lehre des Demokrit erhoben wurden, suchen sie durch ergänzende Annahmen zu beseitigen. So verhält es sich beispielsweise mit der Behauptung, dass der Unterschied zwischen der schnelleren und langsameren Bewegung lediglich darauf zurückzuführen sei, dass in der letzteren mehr Ruhepausen zwischen den einzelnen Bewegungen eintreten. Diese Behauptung bezweckt nichts anderes als den von Aristoteles gemachten Einwand zu widerlegen, wonach es gemäss der Lehre des Demokrit keine Verschiedenheit hinsichtlich der Schnelligkeit der Bewegung geben könnte.37) Zu welchen weiteren Konsequenzen sich die As‘arijja durch ihre atomistischen Annahmen getrieben sehen, ist hier nicht der Ort, auseinanderzusetzen. Lediglich auf eine Frage wollen wir eingehen, die sich jedem aufdrängt und auf die wir noch nirgends eine befriedigende Antwort gefunden haben. Wie kommt es, dass die streng orthodoxen Asariten gerade auf die materialistische Lehre des Demokrit verfielen, von der sie sich am ehesten hätten abgestossen fühlen müssen? Die Antwort, dass sie aus Opposition gegen die Aristoteliker sich der von Aristoteles &) Vgl. Aristoteles, Physik VII c. 2 u. IV 215 a 24 ff.