Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1913 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2721037--057-2725851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 nehmen, dass jedenfalls skepitische Richtungen im Judentum vertreten waren. Wichtiger aber als einzelne Stellen ist für uns die ganze Tendenz der Einleitung, die auf nichts anderes als auf eine Bekämpfung des Skeptizismus gerichtet ist. Darauf deuten gleich die Anfangsworte hin, in denen Saadia Gott als den Spender der Wahrheit preist, der den Menschen die Existenz ihrer Seele verbürgt hat, wodurch sie sich ihrer sinnlichen und Verstandes־ erkenntnis klar bewusst werden.35) Diese Worte richten ihre Spitze gegen den radikalen Zweifel, den Saadia bekämpfen zu können glaubt, indem er von der Selbstgewissheit ausgeht. Diese, meint Saadia, sei der feste Punkt, von dem aus der Zweifel zu überwinden sei, weil wir, wenn wir auch an Allem zweifeln wollten, doch an unserem Selbst, an der Existenz unseres eigenen Ich nicht zweifeln können. Und eben um der genannten Tendenz willen, um die Skepsis zu bekämpfen, stellt sich Saadia die doppelte Aufgabe: die Darlegung der Ursachen, denen der Irrtum und der Zweifel ihre Verbreitung verdanken, und die Angabe der Mittel zu deren Beseitigung. Die Verbreitung des Irrtums und des Zweifels, die Tatsache, dass Ansichten, die Jahrhunderte für wahr gehalten wurden, sich hinterher als falsch erweisen, ist eins der schlagendsten Argumente, dessen sich die Skepsis bedient, und ist nur zu sehr geeignet, den Glauben an die Möglichkeit der Erkenntnis zu erschüttern. Eben darum bemüht sich Saadia darzutun, dass Irrtum und Zweifel nicht etwa in einem nicht zu beseitigenden Mangel des menschlichen Erkenntnisvermögens, sondern in Fehlern und Missgriffen ihren Grund haben, die wir uns häufig bei der Forschung zu Schulden kommen lassen; sei es, dass wir nicht genügend vorbereitet an die Untersuchung herantreten, sei es, dass wir sie nicht mit Geduld und Ausdauer zu Ende führen und unsere Tätigkeit vorzeitig einstellen.30) Der Eifer, mit welchem Saadia gerade den Skeptizismus bekämpft, macht den Eindruck, dass es sich für ihn nicht lediglich um eine theoretische Eröiterung handelt, sondern um die Abwehr einer Richtung, die in gleicher Weise wie im Islam, auch in jüdischen Kreisen Anklang gefunden hatte. Bei diesem Ergebnis können wir jedoch nicht slehen bleiben. Es bereichert unsere Kenntnis nur in geringem Masse, wenn wir 35) Das. Anfang: ברוך ה׳ אלקי ישראל אשר לו יאות ע־־ן [ענין.1] האמת הברורה המאמח למדברים מציאות כפשוחם אמת ברורה* ומצאו בו מוחשיהם מציאה ברורה ובר. a6) Das.: ואודיע תחלה סבת כפילת הספקות לבני אדם וכר.