Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1912 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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…/2720904-2721013--16-2725751- Visual Library
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17 sei, ob sie sich überhaupt auf bloß menschliche Weise erklären lasse. In Rücksicht auf die drei Hauptmerkmale seien die Mittel zu ihrer Umwandlung, wie man leichteinsehe: Verschmelzung, Zertrümmerung ihrer kirchlichenForm und feste Ansiedlung. Jede Gesetzgebung über die Juden sei um so besser, je unmerkbarer sie die Absonderung und je inniger sie die Verschmelzung mache. Handele es sich dann darum, ob man die Absonderung auf einmal oder allmählich aufheben solle, so müsse rein logisch man sich dafür entscheiden, dass nur eine sofortige Gleichstellung gerecht, politisch und konsequent sei. Gerecht: weil sich kein Rechtsgrund denken lasse, warum der Jude, der alle Pflichten der Christen erfüllen wolle, nicht auch der Rechte teilhaftig werden solle. Politisch: weil der Staat durchaus bei seinen Bürgern die inhumane Denkungsart aufheben müsse, die einen Menschen nicht nach seinen persönlichen Eigenschaften, sondern nach seiner Abstammung und Religion beurteile und ihn, gegen allen wahren Begriff von Menschenwürde, nicht wie ein Individuum, sondern wie zu einer Rasse gehörig und gewisse sittliche Eigenschaften notwendig mit ihr teilend ansehe. Konsequent endlich: weil eine allmähliche Aufhebung die Absonderung, die sie vernichten wolle, in allen nicht sofort aufgehobenen Punkten nur noch verdoppele, indem sie die besondere Aufmerksamkeit darauf lenke und sich dadurch selbst entgegenarbeite. Im einzelnen schlägt er dann vor: man sorge für gelehrte und aufgeklärte Rabbiner, gebe ihnen keine staatlich anerkannte Organisation und keinen Oberrabbiner, man mache die Bande zwischen den einzelnen Judengemeinden so locker wie nur möglich, man führe keine eigene Orthodoxie unter ihnen ein, sondern befördere durch natürliche und billige Toleranz vielmehr Schismen in ihrer Mitte, und ihre kirchliche Verfassung wird von selbst verfallen. ״Die Individuen werden gewahr werden, dass sie gar keine eigentliche Religion haben, und werden, getrieben von dem angeborenen menschlichen Bedürfnis nach einem höheren Glauben, sich von selbst zum christlichen wenden. Ihr Uebertritt, der, so lange sie ihre unterdrückten Mitbrüder verlassen und die bis dahin mitgetragene Last auf sie abwerfen, nur unter besonderen Umständen zu entschuldigen ist, werde alsdann wünschenswert, erfreulich und wohltätig sein.u Humboldt schied aus seinem Amte1), lange bevor der Entwurf Gesetz wurde. Manche und nicht unwichtige Vorschläge, die er ף Im August 1810.