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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1913-01-01 · 1912 (1913) · page 16

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1912 (1913)
Date
1913-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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16 legen, wie notwendig es sei, ihre Fesseln zu erleichtern und sie allmählich den übrigen Untertanen gleichzustellen1). Mutig und unverdrossen nahmen sie jetzt die Arbeiten wieder auf und fanden bei den Behörden wohlwollende Berücksichtigung2). Wenige Wochen nach der Veröffentlichung der Städteordnung fragte eines Tages der Minister von Schrötter den Kriminalrat Brand, den Rechtskonsulenten der Stadt Königsberg, wie wir aus dessen noch vorhandenen Manualakten ersehen, ob er nicht ein Mittel wüsste, die Juden zwar unblutig, aber doch auf einmal totzuschlagen3). Er erwiderte, dass er im Besitz eines gut anschlagenden Mittels sei, ״zwar nicht die Juden auf einmal, w*ohl aber das Judentum allmählich totzuschlagenw. Schon am 29. Oktober 1808 lieferte er seinen Entwurf ab4). Der Minister arbeitete ihn um und forderte die Gutachten der verschiedenen Behörden ein.5). Humboldt ging bei seiner Aeusserung über die Vorlage6) von dem Grundgedanken aus, dass drei Merkmale in ihrer Verbindung die Juden vor allen Völkern des Altertums auszeichnen, nämlich: ein ursprünglich nomadisches, aber auch jetzt noch herumwanderndes Leben, eine kirchlich politische Verfassung, in der die Religion fast ganz als Null aufgeht, und ein System der Absonderung selbst von denen, in deren Mitte sie lebten. Diese drei Eigenschaften hätten einen Nationalcharakter erzeugt, der vorzüglich in altväterlicher Beharrlichkeit an der Ursitte und in einer merkwürdigen Kraft passiven Widerstandes bestehe. Ihre Lage sei daher eine welthistorische und so merkwürdige Erscheinung, dass bereits von gewiss nicht schlechten Köpfen bezweifelt worden *) L. Geiger, Gesch. d. Juden in Berlin II, 280 ff. Freudenthal, die ersten Emanzipationsbestrebungen der Juden in Breslau, S. 10 ff. Jolowic?, Gesch. d. Juden in Königsberg, S. 118 ff. 2) Freund, Emanzipation d. Juden in Preussen, II, S. 206 ff. 3) Stern, S. 229 f. Es mag sein, dass Brands Vorbericht zu seinem Entwurf Flüchtigkeiten und Unrichtigkeiten enthält, wie I. Freund, a. a. 0. I, 126, sich nachzuweisen bemüht. Die Geschichtlichkeit dieser Anekdote wird aber dadurch nicht berührt, wie auch Freund das. I, S. 129 anzunehmen scheint. Den Brandschen Entwurf selber scheint mir Freund doch zu niedrig einzuschätzen. Enthält er doch im Grunde in seinen 36, nicht 38, Paragraphen bereits alle wesentlichen leitenden Gesichtspunkte, die nachher wirklich in den 39 Paragraphen des Edikts Gesetz geworden sind. 4) Freund, a. a. 0. II, 221 ff. 5) a. a. O. Abt. X, S. 249—314. 6) a. a. O. S. 269 ff.

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