Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1912 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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8 freien Jahrmarktszeit seine Waren zu vereinzeln1). Nicht weniger als zehn Mal während ,der letzten sechs Jahrzehnte der österreichischen Herrschaft, zuletzt noch vierzehn Tage nach dem Regierungsantritt Maria Theresias, wurde den ohne Vorwissen der Obrigkeit anwesenden Juden die Wegschaffung und Ausrottung angedroht2). Es ist darum nicht zu verwundern, dass das gedrückte Gemüt der Juden sich hoffnungsfreudig dem jungen Preussenkönig zuwandte, der im Dezember 1740 in Schlesien einrückte, in der Zuversicht, dass ein Strahl der Gerechtigkeit und Milde nunmehr endlich auch ihren dunklen Pfad erhellen werde3). Ihr Vertrauen wurde bald bitter enttäuscht. Der grosse Friedrich war eben ״vor die Juden nicht sonderlich portiert“. Grundsätzlich lehrte er freilich in seiner Schrift über den Aberglauben und die Religion wörtlich: ״[In meinem Staate] lässt die Regierung jedem die Freiheit, auf welchem Wege er will, zum Himmel zu gehen. Wenn er nur ein guter Bürger ist, mehr verlangt man nicht von ihm. Falscher Religionseifer ist ein Tyrann, der die Provinzen entvölkert. Toleranz aber ist eine zärtliche Mutter, die sie pflegt und blühend macht.“4) In der Praxis aber hielt er es wie heule noch die Rhätoromanen in ihrer Sprache, in welcher ״der Mensch“ einfach crastiaun, d. i. ״Christ“ heißt. ״Ich weiß schon von lange her“, schrieb er eines Tages an den Minister Hoym, ״daß Ihr so eine geheime inclination vor die Juden habt. Aber auf meiner Seite denke ich anders. Denn wenn die Juden abgeschafft und an deren Stelle Christen zum Wirtschaften genommen werden, so Glogauer Juden, mit inländischer Wolle zu handeln, 1718—1738, redet das Aktenstück AA VIII, 18 g, des Staatsarchivs. S. auch Gesch. d. Landrabbinats S. 11, Anm. 2 u. 3. ג) Ueber das Verbot, in der Jahrmarktszeit die Waren zu vereinzeln, handeln aus dem Jahre 1700 die Aktenstücke Repert. d. ausserurkundl. Papiere II, 26 e, Klose NNN 435, 436, 467, 472 und aus dem Jahre 1703 Scheinig, Repert. 2498. 2) Vgl. Gesch. d. Landrabbinats S. 11, Anm. 7, woselbst 1702 (Klose NNN 473) und• 1737 (NNN 500) hinzuzufügen und statt 1739 vielmehr 1740 (Scheinig, 689) zu lesen ist. S. auch S. 3, Anm. 2. 3) Es dichtete damals, am 7. November 1741, in hebr. und deutscher Sprache Bendix Rüben Gompertz u. A. wie folgt: ״Dieser mächtige König . . . hat die prächtige Stadt Breßlau unter SICH gebracht . . . ER hat seine Liebes-Fähnlein und die Flügel des grossen Adlers ausgebreitet . . . von IHM widerführet mächtige Hülffe seinem Volcke ... ER beschütze uns wie der Schatten eines Felssens." (Gesch. d. Landrabbinats, S. 27 f.) *) Ges. Schriften Bd. I, S. 241 f. der Ausgabe Berlin 1846 ff.