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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1912-01-01 · 1911 (1912) · page 67

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1911 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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275 Ihrer Fortdauer nicht an die Existenz desselben gebunden ist. Die Argumente, die Ibn Daud vorbringt, sind insgesamt den arabischen Aristotelikem entlehnt und gipfeln alle in dem Nachweis der absoluten Immaterialität der rationalen Seele.148) Der erste Beweis lautet: Niemand zweifelt daran, dass der Mensch durch seine Verstandes* tätigkeit die Fähigkeit besitzt, allgemeine Begriffe zu bilden, die ihm in der Wahrnehmung nicht gegeben sind, die er vielmehr selbständig erzeugt, indem er das verschiedenen Wahrnehmungen Gemeinsame heraushebt und zu einem allgemeinen Begriffe vereinigt. Ebenso hat er allgemeine Erkenntnisse anderer Art, wie es beispielsweise die Axiome und die Lehrsätze der Mathematik sind. Wir schliessen nun, dass es weder ein körperliches Organ, wie etwa das Herz oder das Gehirn, noch eine Kraft in einem körperlichen Organe sei, wodurch der Mensch jene allgemeinen nichtsinnlichen Formen erfasst. Denn, das Gegenteil angenommen, würden sie einem teilbaren Substrate inhärieren und müssten dann selbst teilbar sein, wTas sie in Wirklichkeit nicht sind. Dass beide Prämissen, auf welchen dieser Schluss beruht, richtig sind, ist leicht zu erweisen. Alles Körperliche ist entweder an sich oder accidentiell teilbar. An sich teilbar ist der Körper und alles, was zur Kategorie der Quantität, wie beispielsweise die Linien, Flächen usw., gehört, accidentiell teilbar ist alles, was am Körper haftet, wie die Farbe oder irgend ein Vermögen am Körper, die, an sich unteilbar, durch die Teilung des Körpers mit geteilt werden. Ebenso evident aber ist, dass die begrifflichen Formen in keiner Weise, weder an sich, wie das Quantitative, noch accidentiell, wie etwa die Oaulität, einer Teilung 14s) Es sind zehn stereotype Beweise, die von Al-Gazzaii, Tahafut. S. 74 ff., angeführt werden und die zunächst dartun, dass die Seele zu ihren höheren Funktionen des Körpers nicht bedarf, woraus dann mit Leichtigkeit folgt, dass die Seele mit dem Untergang des Körpers nicht aufhört, vgl. daselbst S. 81. Dieselben Beweise bei Al-Batlajusi, vgl. Kaufmann, Die Spuren Al-Batlajusis, hebr. Teil, S. 51 ff., bei Ibn Sina, ZDMG., 365 ff., und Sahrastani, S. 419 ff., Brief Ibn Sab‘ins an Kaiser FriedrichII., Journal asiatique, VII.Ser., tomeXIV. Diejenigen, welche die Präexistenz der Seele annehmen, haben es natürlich leichter, die Unsterblichkeit zu beweisen. So sagt z. B. der Verfasser von Ma‘ani al-nafs, S. 24 (Broyde, S. 30): ולו כאן במא קאל מן קאל אנהא תתלאשי בתלאשי אל בדן למא כתב אללה עליהא אלמות בנא לנסדהא ותלאף נתתהא באלפרקה. Der Sinn ist klar. Gott hätte nicht über die Seele durch ihre Verbindung mit dem Körper den Tod verhängt, während sie getrennt vom Körper, wie sie vorher existierte, ewig gelebt hätte. Wir sehen keine Schwierigkeit, und die Bemerkung des Herausgebers, S. 35, ist hinfällig. Der darauf folgende Beweis vom Volksglauben ist älter als die pseudo-aristotelische Theologie und Plotin, und findet sich bereits in den Fragmenten des Aristoteles, vgl. Fragment Nr. 33, Berliner Akademie-Ausg., S. 1480.

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