Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1911 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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273 angenommen, erhebt sich die Frage, ob die Seelen in allen Individuen der menschlichen Gattung eine Einheit oder Vielheit bilden. Ersteres ist ausgeschlossen, weil dann die Seele des Weisen und Unwissenden, des Gerechten und Ungerechten identisch wäre und ein und derselben Seele zu gleicher Zeit entgegengesetzte Prädikate zukämen. Aber auch eine Vielheit könnten sie nicht bilden, weil nicht einzusehen ist, wodurch sie sich unterscheiden sollten. Sie könnten, da sie als einfache Substanzen nicht Träger von Accidenzen sind, weder durch irgend ein Accidenz von einander verschieden sein, noch durch ihre Wesenheit, denn wenn es zur Wesenheit der einen gehörte, Menschenseele zu sein, so müsste dies der anderen, wenn der Unterschied in der Wesenheit selbst liegen sollte, abgesprochen werden.143) Als einzig richtige Ansicht, die auch von der Schrift bestätigt wird,144) erweist sich demnach die Annahme, dass die Seele zugleich mit dem Körper entstehe. Vor Erschaffung des Körpers wäre demnach die Existenz der Setzung der Präexistenz muss ja die Seele ihre Vollkommenheit bereits vor der Vereinigung besitzen. Es bleibt also nur übrig anzunehmen, dass Ibn Daud seine Behauptung durch einen Beweis mehr stützen will. 1«) Em. r., s. 36: [h. והנפש לא תהיה נמצאת כלל קודם הגשם וכו׳ כי זאח [זה אם היה כן לא ימלט אם שתהיה נפש האדם כולן אחת או רבות וכד. Ganz dieselbe Beweisführung hat Ibn Sina für die Koexistenz bei Sahr., S.423, und besonders instruktiv ist Al-Gazzali, Al-Tahafut, S. 81: 3)Lä3*| 1* [nämlich die Koexistenz] (j&jXJ*, iwjjvö ^.böUl Li-y* 0I y&j L§J ouAi al qI öl yp 201 5^ 0&**..*ן qIj 2«w<Lydü| sajXjla 3j־£״♦׳ oir 03ז . . . v_jöU^>l Lo Lfcp (j^־l öl oUxsib ^.jvA>*il 0^9 OutJ KAaxJI usw. Die Bemerkung Guttmanns a. a. O., S. 103, A. 1, dass die Beweisführung Ibn Dauds teilweise von Ibn Sina abweicht, ist nicht zutreffend, vielmehr wird das, was Ibn Sina besonders hervorhebt, dass die Seele durch den Eintritt in den Körper nicht zur Vielheit werden könne, wenn sie ursprünglich eine Einheit bildete, von Ibn Daud stillschweigend vorausgesetzt. Ohne diese Voraussetzung ist der ganze Beweis hinfällig. Ibn Daud fragt nicht, wie die unter den Menschen herrschende moralische und intellektuelle Verschiedenheit zu erklären wäre, wenn die Seelen ursprünglich eine Einheit bildeten, sondern die Tatsache der Verschiedenheit ist ein Beweis, dass die Seelen der Individuen eine Vielheit bilden, und widerlegt die Behauptung von der Einheit. 1«) Em. r., s. 34: יעוד מצאנו בכתוב תדוש הנפש נ*ב באמרו אשר עשה לנו את הנפש הזאת וכר. Auf dieselbe Stelle beruft sich Saadia, vgl. oben S. 25.