Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1912-01-01 · 1911 (1912) · page 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1911 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2720904-2721015--51-2725691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 260 — der Irrtümer, die gerade über die Lehre von den inneren Sinnen verbreitet sind, notwendig schien, kehren wir zu Ibn Daud zurück. C. Das Vermögen des Begehrens und der Bewegung. Der ganze Apparat von den äusseren und inneren Sinnen dient, wie Ibn Daud weiter auseinandersetzt, dem Begehrungs״ vermögen, das ebenso wie die Sinne zur animalischen Seele gehört und durch die Wahrnehmung darüber belehrt wird, was dem Körper schädlich und nützlich, was zu suchen und was zu meiden sei.111) Dem Begehrungsvermögen reiht sich das Vermögen der Bewegung an, das doppelter Art ist. Es ist zu unterscheiden die Bewegung der Ortsveränderung, die vom Gehirn ausgeht und vermittelst der Nerven die mit ihnen verbundenen Muskeln durch gegen gehören תכייל und פקדה der Lehre der Aristoteliker an, während חכמה selbst dorthin nicht gehört und nur künstlich eingefügt ist, da man hier als drittes Glied das Gedächtnis, erwartet. Dies ergibt sich auch aus der Stelle im 0' הנמצא, die Sachs im Kerem Chemed VIII, S. 74, A., zur Vergleichung anführt. Dort heisst es: יש במוח שלשה כחות והם בשלשה חדייים והם דמיון ורעירן יזכרו! ובו, וכח הזכי־ון בחלר! הר כנגד העורף שם מושב השכל. Man kann hier ersehen, wie Ibn Ezra dazu gekommen ist, unter der Hand die Weisheit חכמה an Stelle des Gedächtnisses zu setzen. Aber auch davon abgesehen, dass das letzte Glied in die Reihe nicht hineinpasst, zeigt gerade der Versuch einer Harmonisierung bei Ibn Ezra so recht auffällig, dass ganz verschiedene Begriffe einander gleichgesetzt werden sollen, die ursprünglich gar nichts miteinander gemein haben, und dass lediglich der Umstand, dass sie als innere Sinne figurierten,. Ibn Ezra auf den Gedanken brachte, sie einander gleichzusetzen. Es ist nun beachtenswert, dass die Begriffe von חכמה בינה דעת, welche in der Kabbala eine grosse Rolle spielen, vom Zohar in gleicher Weise wie von Ibn Ezra in die drei Gehirnkammern lokalisiert werden. Sachs a. a. O. vermutet hier mit Recht einen Einfluss Ibn Ezras, er führt jedoch daselbst noch eine andere Stelle aus dem Zohar an, nach welcher der Begriff בחינה, die im Herzen ihren Sitz hat, mit dem Gehörsinn korrespondiert. Diese Stelle bringt uns Gabirol und die Auseinander• Setzung beim Syrer in Erinnerung und weist auf einen Einfluss aus noch früherer Zeit hin. 1u) Em. r., s.30: ואלה ההשנות העשרה החמשה הנגלות והחמשה הפנימיות הם נמצאות לבעלי חיים ובלם יעבדו הכח המתעורר, und s. 28, wo von den äusseren Sinnen gesagt wird: ואלה החושים אשר זכרנום הם צופים לכח המתעורר ומרגליו, Vg!. zum Ausdruck oben S. 242, A. 75. Nach Ibn Sina, ZDMG., S. 353, stehen־ Sinne und Trieb in diesem Verhältnis nur beim Tiere, beim Menschen hingegen verhält es sich gerade umgekehrt. Hingegen ist die Behauptung Ibn Dauds auch auf den Menschen zu beziehen, wie aus Em. r., S. 33, zu ersehen ist. Die Üeber- Setzung Landauers, S. 398, ״denn bei ihnen (nämlich den Tieren) bezweckt die bewegende Kraft keine Korrektur der Motoren der Sinne und der Einbildungskraft“, ist unverständlich. Gemeint ist, die Bewegungskraft ist nicht dazn da, 11m den Sinnen Gegenstände der Erkenntnis herbeizuschaffen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.