Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1911 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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…/2720904-2721015--43-2725683- Visual Library
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252 das Tier die Drohung mit der Hand versteht und den Blick senkt, selbst wenn sie von dem Drohenden noch niemals einen Schaden erfahren haben. In gleicher Weise verhält es sich, wenn ein Kind, das jemand an der Hand führt und loslassen will, sich mit aller Macht an ihn klammert. In allen diesen Fällen haben wir es mit der Erkenntnis dieses Sinnes zu tun, der den lebenden Wesen zu ihrem Nutzen verliehen ist.95) 5. Das Gedächtnis.96) Dem vorgenannten Vermögen schliesst sich dieser Sinn an, dessen Aufgabe es ist, gewisse Beziehungen der Dinge, die dem Bewusstsein entrückt sind, aufzubewahren. Von dem an zweiter Stelle genannten Vorstellungsvermögen unterscheidet sich das Gedächtnis insofern, als jenes die Formen der Dinge, die dem Sinn nicht gegewärtig sind, aufbewahrt, während das Gedächtnis es mit der Bedeutung und den Beziehungen der Dinge zu tun hat.97) Dass auch die Tiere dieses Vermögen besitzen, geht daraus hervor, dass sich für sie mit der Vorstellung, d. h. mit der Erinnerung an irgend ein Bild oder einen Ort, die Erinnerung an den Nutzen und Schaden, den sie erfahren haben, assoziiert. So flieht das Tier vor Häusern, wo ihm Unangenehmes 95) Em. r., ibid.: כאשר תרמוז בידך אל עיין דדלד וכר. Für מיד רמה hat H. מידתם, das auch keinen Sinn gibt. Vgl. Jahresbericht der Görres-Gesellschaft Köln 1884, wo eine Arbeit: Ueber die vis aestimativa e cogitativa bei Thomas v. Aquino, erschienen ist. Die Widersprüche, die vom Verfasser aufgezeigt werden, sind darauf zurückzuführen, dass das dritte und vierte Vermögen nicht streng auseinander gehalten werden. 96) הלוכד, Ibn Sina, ZDMG., S. 360, oder 5.5 Al-Gazzali, Tahafut, p. 73 «.5 13. 97) Em. r., ibid.: [H.הזוכר ישמור לו הפנינים אשר כבר נפשקה הבנתו [הבטתו אליהם ואין זה הבה מן הבה המצייר בשום דבר כי אותו הכה ישמור הצורה הנעלמת מן החוש וזה ישמור הפנינים שאינו משים לב עליהם. Ebenso ibn Sina a. a. 0., Ai-Gazzaü a. a. O., S. 72, der von einem und spricht. Das Ganze ist ein gezwungener Ausgleich zwischen Galen und Aristoteles. Unser Vermögen entspricht dem avyjfxoysuTizov bei Galen, worauf auch der Name und die Lokalisation des Vermögens in die hintere Gehirnregion hin weist. Von einem doppelten Gedächtnis ist bei ihm keine Rede. Bei Aristoteles wiederum fallen Vorstellungsvermögen und Gedächtnis zusammen und unterscheiden sich bloss der Beziehung nach, vgl. oben S. 245, A. 80. Die von Aristoteles daselbst gemachte Unterscheidung zwischen Denkprodukten und Wahrnehmungen hinsichtlich des Gedächtnisses fällt mit dem Unterschiede der arabischen Aristoteliker zwischen sinnlichen Formen (jyJ) und Erkenntnissen des vierten Sinnes keineswegs zusammen, abgesehen davon, dass Aristoteles kein besonderes Erinnerungsvermögen für Denk- Produkte annahm. Auf der anderen Seite ist den arabischen Aristotelikern der wesentliche Unterschied zwischen Vorstellung und Erinnerung, wie ihn Aristoteles hervorbebt, ganz entgangen.