Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1911 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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228 Kapitel 3. Die vegetative Seele. Die unterste Seelenstufe nehmen die Pflanzen ein, von deren Beseeltheit lediglich die Funktionen der Ernährung, des Wachstums und der Fortpflanzung Zeugnis ablegen. Manche haben, wie Ibn Daud gelegentlich bemerkt, diese Fähigkeiten noch als Aeusserungen des Naturprinzips angesehen und lassen die Stufe der Beseeltheit erst mit den Tieren beginnen. Ibn Daud spricht hierbei die Vermutung aus, dass diese Uebertragung der Funktionen der vegetativen Seele auf die Natur von den Aerzten ausgegangen sei, denen jedoch die Ansicht der Naturalisten und Philosophen gegenüberstehe.36) geführte stoische Ansicht, dass in den anorganischen Wesen nicht die sondern; lediglich die sogenannte tätig sein soll. 36) Em. r., s. 15: עוד אחרי כן העתיקו שם הטבע אל קצת תנועות הנפש ואמ-ו שהצמיחה וההזנה פעולות טבעיות וכר ואנו נחשוב שזאת ההעתקה לשם הטבע והניח אותו על קצת פעולות הנפש הצומחת עשו הרופאים לכד מבלתי הפילוסופים והטבעיים Es fragt sich, ob die Worte הצמיחה והונה und על קצת פעולות ד,נ׳ הצומחת zu betonen und das Fortpflanzungsvermögen auszuschliessen sei. Dass eine solche Ansicht ausgesprochen wurde, ist uns nicht bekannt, vielleicht könnte man jedoch hierbei an Galen denken, dessen Ansicht über das bildende Vermögen oben S. 182, A. 111, angeführt wurde. Hingegen war allgemein bekannt die Ansicht der Stoiker, welche sämtliche Tätigkeiten der vegetativen Seele der cpysic zuschrieben, vgl. oben S. 117. A. 82, und Falakera יי־אשית חבמה S. 87. Noch mehr aber bedarf die Gegenüber- Stellung von טבע״ים und רופאים einer Erklärung, denn zunächst wäre man eher geneigt, eine Uebereinstimmung zwischen ihnen vorauszusetzen. Guttmann ä. a. O., S. 58, A. 1, meint, dass והטבעיים nach הרופאים zu versetzen sei. Allein diese Umstellung erweist sich bei näherer Betrachtung nicht als berechtigt, wie sich aus S. Duran 35a ergibt, wo gleichfalls die Aerzte den טבעיים gegenübergestellt und die letzteren nebst Aristoteles als Vertreter der Einheit, die ersteren als Vertreter der Vielheit der Seele aufgeführt werden (נחלקו הרופאים עם חכמי הטבע ובר). Es ist sogar möglich, dass es eben dieser Differenzpunkt zwischen den Aerzten und den Physikern ist, worauf Ibn Daud seine Vermutung gründet, dass auch hinsichtlich der Frage über die vegetativen Funktionen zwischen ihnen Meinungsverschiedenheit herrsche. Fraglich bleibt dabei immer, wer unter den Physikern zu verstehen ist, von denen Duran und Ibn Daud sprechen. Nach Al-Kifti, ed. Lippe, S. 49, könnte es scheinen, dass unter ״Physiker“ bei den Arabern die vorsokratischen Philosophen zu verstehen seien, denn er unterscheidet daselbst drei Richtungen: Daharijja, Physiker Metaphysiker,, und nennt als Haupt der letzteren Sokrates. Es wäre möglich, dass man ursprünglich die Bezeichnung Physiker den vorsokratischen Philosophen beilegte, um so mehr, als auch Aristoteles sie häufig unter den Namen <p0310X0f01 und cpuaixoi anführt, vgl. Bonitz Index, s. v. Auch Falakera, המעלות *D, ed. Venetianer, S. 31, spricht von הטבעיים הקדימוכים קורם סקי״אט. Aber selbst unter dieser Voraus- Setzung könnte man noch immer nicht folgern, dass unter dieser Bezeichnung