Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1911 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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221 Sehnen, sich bilden, so erscheint es doch ausgeschlossen, dass lediglieh durch stoffliche Zusammensetzung die verschiedenen Teile sich zu einem einheitlichen organischen Ganzen vereinigen. Wir sehen, wie in jedem organischen Ganzen die Teile nach Gestalt und Grösse, Beschaffenheit und Zahl und in ihrer gegenseitigen Verbindung aufs genaueste berechnet und bestimmt sind, und, was für unseren Fall noch besonders in Betracht kommt, dass die gleiche Formation, dieselben Mass- und Zahlverhältnisse sich in allen Individuen der Gattung wiederholen, so verschieden auch die von der Krasis herrührende physische Beschaffenheit sein möge. Weder in den Elementen, noch in deren Verbindung ist Vernunft und Weisheit, in der Bildung der Organismen aber zeigt sich eine so erstaunliche Weisheit und Zweckmässigkeit, dass wir sie nur durch das Walten eines nichtstofflichen Prinzips zu erklären vermögen.21) Es spricht ferner gegen die Krasislehre die Erwägung, dass entgegengesetzte Stoffe, wenn sie verbunden werden, die Tendenz haben, sich aus der Verbindung zu lösen, während die gleichmässige Krasis, die wir in den Organismen wahrnehmen, bei manchen Tieren, wie beispielsweise beim Adler, Hunderte von Jahren sich behauptet, bei Pflanzen oft noch eine längere Dauer erreicht 22) In der Natur der Krasis selbst aber liegt es nicht, sich für die Dauer zu behaupten und die Gegensätze an einander zu binden, wenn nicht eine äussere Ursache hinzukommt, welche verhindert, dass das stärkere Element das schwächere ganz überwinde. Daher kommt es auch, dass in dem Augenblicke, da jene Ursache ihre Wirksamkeit einstellt, die Krasis, welche Hunderte von Jahren gedauert hat, sofort aufhört und der Körper der Auflösung anheimfällt. Dasjenige nun, durch dessen Anwesenheit die Krasis sich 21) Em. r., s. 22: ואין ליסודות הבמה ולא למזג, in welchen Worten der Nerv der ganzen Beweisführung zu liegen scheint. Es ist der von Aristoteles so häufig ausgesprochene Gedanke, dass die Entstehung der Organismen nicht durch das blinde Walten der Elementarkräfte, sondern nur durch das Wirken der Seele erklärt werden könne, welche sich der Elementarqualitäten zur Gestaltung des Stoffes bedient, vgl. 740 b 12 und 734b 31, wo der Anfang xzkrjoä uiv ouv usw. teilweise eine wörtliche Parallele zur Darstellung Ibn Dauds bildet. Vgl. auch die oben S. 182, A. 111 aus Galen angeführte Stelle, an welche die Auseinander- Setzung Ibn Dauds teilsweise erinnert. Aehnlich wie Ibn Daud bemerkt Plotin gegen die Anhänger der Krasislehre Enn. IV, 7, 8 (ed. Volkmann): 0/aoc 02 zal 00x01 i'C, d^üycuv iwpjya 1ב0100סד za׳ axa/xojv zax« a־jvx־jy׳av xsxafuiva za׳ x7]v xdjjtv 01z ix xfj$ aX/2 aox7}v ij a־jxoadxo־j xdJsoK t/jv ׳j׳x03xa3׳v =1> r^svat. 22) Em. r., ibid. Ueber den von Ibn. Daud hier genannten ,Abu Ma‘sar vgl. Steinschneider, Hebr. Uebers., S. 556, und ZDMG. 52, S. 481.