Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1912-01-01 · 1911 (1912) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1911 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2720904-2721015--11-2725651
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

220 zu Grunde, dass von den Verhältnissen der Krasis die Tätigkeiten des Körpers abhängen, dass diese an Mannigfaltigkeit zunehmen, je feiner und proportionierter die Mischung sei, hingegen um so einfacher werden, je weniger die Gegensätze ausgeglichen seien.19) So erzeugen die verschiedenen Mischungsverhältnisse die verschiedenen Seelenstufen, und es kommen bei der Pflanze, in welcher die Krasis am wenigsten proportioniert ist, lediglich die Funktionen des vegetativen Lebens zum Vorschein, während das Tier infolge einer günstigeren Mischung damit auch die Tätigkeiten des animalischen Lebens verbindet, zu welchen beim Menschen als Resultat einer vollkommen harmonischen Mischung, in der sich die Gegensätze das Gleichgewicht halten, die höheren geistigen Fähigkeiten des Denkens, des künstlerischen Schaffens und des sittlichen Urteils hinzukommen.-0) Will man für die Krasis die Bezeichnung Seele beibehalten, so haben die Anhänger dieser Theorie nichts dagegen einzuwenden, wenn man nur dessen eingedenk bleibt, dass darunter lediglich das eigentümliche Mischungsverhältnis der Elemente im Körper zu verstehen sei. Da nun die Mischung ein Accidenz ist, so drückt der Begriff Seele nur ein Accidenz aus. Als einen entscheidenden Beweis für ihre Behauptung betrachten die Vertreter dieser Ansicht die Abhängigkeit der ps3Tcbischen Funktionen von der Krasis des Körpers, die solange normal verlaufen, als diese gewahrt bleibt, sofort aber eine Störung erfahren oder gänzlich zum Stillstand kommen, sobald jene alteriert oder gänzlich aufgehoben erscheint. Gegen die dargelegte materialistische Seelentheorie lassen sich jedoch mehrere gewichtige Einwände erheben. Zunächst ist geltend zu machen, dass aus der blossen Mischung der Elemente nicht einmal die Entstehung eines organischen Körpers sich befriedigend erklären lasse. Denn gesetzt auch, es wräre denkbar, dass die Krasis dem Samen die Fähigkeit des Wachstums und des Stoffwechsels verleihe, und dass lediglich infolge der eigentümlichen Mischungsverhältnisse Körperteile von verschiedener Beschaffenheit, von härterer oder weicherer Struktur, wie beispielsweise Knochen, Knorpeln und 19) Em. r., ibid.: והעולה מדבריהם וכר, statt שבים מן פשיטות איכיות היסודות בהם ויחייב וכד lies mit H. שברון פשיטות וכר יחייב. 20) Em. r., ibid. Zu den besonders hervorgehobenen Eigentümlichkeiten des Menschen gehört auch תמיהה, das; der Herausgeber mit Unrecht in שמחה emendieren will, und צחוק, vgl. More I, 73 und Porphyrius, Isagoge in der Aristotelesausgabe der Berliner Akademie V, lb 13 u. 4a 19.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.