Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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186 Häuser wieder herzustellen1). Noch 1595 hielten sie sich am Orte auf2). Von einem regen Gemeindeleben unter ihnen ist nichts bekannt. Gleichwertige goldene Gründe durchbrachen damals übrigens auch anderweitig zu Gunsten der oder jener Judenschaft das geltende öffentliche Recht. Beim Aussterben der Ratiborer Herzogslinie fiel die Herrschaft Zülz als Domäne an die Krone Böhmen. Im Jahre 1562 versetzte sie der Kaiser an den Grafen Georg Christoph von Proskau3). Im Anschlag der Einkünfte bildeten die Steuern der Judenschaft einen wesentlichen Posten. Diese Einpahmen dem Pfandbesitzer dauernd zu erhalten, lag im eigensten Interesse des kaiserlichen Eigenthümers. Sie möglichst zu erhöhen, war der begreifliche Wunsch des Nutzniessers. Auf diesen Grundlagen bestand und wuchs allmählich die Zülzer Gemeinde, die nachmals, etwa nach einem Jahrhundert, zu Ruf und Ansehen gelangte. Ungleich günstigere Daseinbedigungen für eine gleichartige Entwickelung boten sich in einer anderen Landschaft dar. Seit Beginn des sechzehnten Jahrhunderts war auch das Herzogthum Glogau unmittelbarer Besitz der böhmischen Krone. In der dortigen Landeshauptstadt hatten zu jeder Zeit4) sich einzelne Juden das Wohnrecht zu sichern gewusst. Die günstige Lage am Flusse und an der grossen Landstrasse, die lebhaften Handelsbeziehungen nach Osten und Westen, das stete Geldbedürfniss der grossen und kleinen Herren in der Umgegend hielt sie hier immer wieder trotz aller Unbilden und Widerwärtigkeiten fest. Ueber ihre Thätigkeit im Einzelnen fehlt uns zwar Jahrzehnte lang jede Nachricht aus zugänglichen Archivalien5), die Thatsache aber, dass ג) JGZD. IV, 183 f. Die Aktenstücke Bondy-Dworsky, Nr. 678, 682 u. 683 — obenS. 182, Anm. 6 — beziehen sich auf sie. Ob die neben Oppeln und Oberglogau a.a.O. genannte dritte Stadt wirklich Prausnitz ist, erscheint mir zweifelhaft, da von Juden in dieser Stadt aus dieser und früherer Zeit nichts bekannt ist. Die älteste mir bekannte Nachricht über dortige Juden stammt erst aus dem Jahre 1710, als Baruch Buchbinder aus Wilna (St. C. B. Nr. 7847, vgl. S. 3102) dort vorübergehend seine Pressen aufstellte und 100'״ Segenssprüche“ (St. C. B., Nr. 2634) drucken liess. 2) Schnurpfeil, Oberglogau, S. 41. 3) Zimmermann, Beiträge zur Beschreibung von Schlesien III, S. 136. Bergemann, Löwenberg, S. 604. 4) Vgl. oben S. 9. 16, 18, 24, 25, 26, 28, 30, 32, 44, 52, 86, 93, 94, 104 f., 108 f., 146 ff. Anhang S. I, XXXIX, LX. 5) Ich kann hier nur auf die von Berndt, Gesch. der Juden in Glogau,