Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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183 Die Fürsten und Stände wollten eben durchaus der Juden ledig werden. Darum erschwerten sie den Einheimischen immer mehr ihren Nahrungsstand und machten den Zuzug neuer Ansiedler nahezu unmöglich. So entwarfen die Stände der Herzogthümer Oppeln und Ratibor im Jahre 1561 unter dem Vorsitz des Landeshauptmannes Hans von Oppersdorf eine neue Landesordnung, die auch für Oberglogau galt, und erlangten ein Jahr später die kaiserliehe Bestätigung1). Darin handelt Artikel 54 von den Juden und bestimmt, dass die Herren, Prälaten und Rittermässigen Männer nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung Seiner Majestät einen Juden zur Ansiedelung in Städten und Dörfern zulassen dürfen. Der Geldhandel blieb ihnen als der einzige Nahrungszweig auch fernerhin gestattet. Nur mussten sie für jedes einzelne Geldgeschäft von nun an die besondere Genehmigung des Grundherren einholen. War die Genehmigung nicht eingeholt, so verfiel die Hauptsumme der Grundherrschaft. Das Gleiche geschah, wenn der Zinsfuss, der auf zwei kleine Heller wöchentlich für die Mark festgesetzt war, überschritten wurde. Ob und wieweit es möglich gewesen wäre, unter den neuen harten Bedingungen auch nur das Leben zu fristen, konnten die bedauernswerthen Opfer dieser grausamen Gesetzgebung kaum noch erproben. Denn schon im Laufe des nächsten Jahres liessen sich die drei bedeutendsten Städte des Landes, Kosel2), Oberglogau3) und Oppeln4) das Recht verbriefen, dass ״auf ewige Zeiten in der Stadt, vor der Stadt und allenthalben bei der Stadt kein Jude verbleiben, wohnen und ankommen dürffte.“ Diejenigen aber, die sich Nr. 631, S. 464 {.), bis Ende Januar 1562 (a. a. O., Nr. 635, S. 467 f.), bis 18. August 1562 (a. a. O., Nr. 644, S. 473 ff.), bis 23. April 1563 (a. a. O., Nr. 654, S. 480), bis 12. Juni 1563 (a. a. O. 656, S. 482), bis 24. August 1563 (a. a. O., Nr. 660, S. 487), bis 23. April 1564 (a. a. O., Nr. 664, S. 488), bis 11. November 1564 (a. a. O., Nr. 669, S. 491), bis 10. Juni 1565 (a. a. O., Nr. 678, S. 496 f.), bis 28. September 1565 (a, a. O., Nr. 682, S. 499 f.), bis 53. April 1566 (a. a. O., Nr. 683, S. 900). J) Prag, am St. Michaelistage, 1. Octocer 1562. Vgl. Schickfuss III, *201, 500. Welzel, Kosel, 534. Schnurpfeil, Oberglogau, 41. Görlich, Strehlen, 517. Bondy-Dwo rsky, Nr. 653, S. 480. 2) d. d. Pressburg, 16. September 1563. Vgl. Welzel, Kosel, 132. Bondy-Dworsky, Nr. 665, S. 489. 3) d. d. Wien, 27. August 1563. Vgl. Schnurpfeil, 41. Bondy- Dworsky, Nr. 663, S. 488. 4) d. d. Wien, 8. November 1563/ Vgl. Idzikowski, 122. Weingarten, 262b, neu gedruckt־ bei Bondy-Dworsky, Nr. 666, S. 489.