Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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182 der Staatssekretär in Rom liess sich bewegen, mit Vorwissen des Papstes dem Nuntius Delfino am kaiserlichen Hofe anheimzugeben, für die Juden zu interveniren, jedoch so, dass der Kaiser nicht beleidigt und das Ansehen des Papstes nicht geschädigt werde1). Von neuem wurden Gelder gesammelt. Die böhmische, die mährische, die gross- und kleinpolnische und reussische Landjudenschaft brachten sie durch Selbstbesteuerung auf2 3). Zweifellos werden auch die Glaubensbrüder im Reiche, in Italien und der Türkei Beiträge geleistet haben. Wie hoch die Summen waren, die zusammen kamen, ist unbekannt. Aber wer sie empfing, ist wenigstens trümmerhaft überliefert. Für den Brief, durch den die Ausweisungsfrist vom Juli 1558 bis zum 23. April 1559 verlängert w urde, liess sich der Kaiser fünftausend Thaler zahlen*). Etliche Jahre später musste für eine weitere Hinausschiebung von auch nur sechs Wochen eine besondere Zahlung geleistet werden4 5). Um das ganze oder halbe Sümmchen zankte sich der kaiserliche Secretär Niklas Walter mit seinem ״edlen, ernuesten, sonder vertrauten lieben Herrn Bruder“ und Kameraden Kasper von Lindeg, dem Sekretär Maximilians II. Eine erfolgreiche Verwendung für die Judenschaften von Zülz und Hotzenplotz kostete etwa um dieselbe Zeit zweitausend Gulden"1). Schliesslich waren alle Worte vergebens, alle Geldmittel erfolglos aufgewendet. Zeitweiliger Aufschub war das Einzige, was zu erreichen war6). *) Schreiben d. d. Rom, 31. August 1563 (Bondy־Dworsky, Nr. 662, S. 487). 2) RGA. des R. Meir Lublin, Nr. 40. 3) Bondy-D w orsky, Nr. 1289, S. 1014 f. 4) a. a. O., Nr. 660, S. 487. 5) RGA. Meir Lublin, Nr. 40. Die Entscheidung wird etwa ums Jahr 1590 getroffen sein. Der Streit aber war, wie aus dem Tenor hervorgeht, lange rechtshängig. Ob er in unsere Zeit (c. 1562) oder in das Jahr 1582, wie N. Brüll (Jahrbücher IV, 49) will, oder in eine noch spätere Zeit fällt, ist zweifelhaft. Von den 2000 Gulden zahlte damals je ein Fünftel die böhmische, die mährische und die polnische Landjudenschaft. Zum Reste sollte Hotzenplotz, weil die Angelegenheit Zülz besonders anging, dieses Mal 200 Gulden beitragen und erhielt dafür den An- Spruch, in etwa weiter vorkommenden Fällen eine gleiche prozentuale Betheiligung der Zülzer zu verlangen. G) Durch Schreiben von Wien 23. Juli 1558 bis zum 23. April 1559 Bondy-D worsky, Nr. 590, S. 430), am 13. März 1560 bis zum 23. April 1561 (a. a. O., Nr. 611, S. 449), dann bis zum 18. Mai 1561 (a. a. O., Nr. 621, S. 456 f., vgl. Nr. 623, S. 457 f.), darauf bis zum 27. November 1561 (a. a. O.,