Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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180 Breslau gehalten wurde, und die Stände folgten willig seinem Wunsche und baten ihn, in seinem Königlichen Vorhaben fortzufahren, ohne eine Zeit vorschreiben zu wollen, denn die Juden, sagten sie ״sind vngläubig, halsstarrig, verstockt, dem christlichen Namen gehässig, der Christen Verräter gegen die Türken, verfolgen die Unterthanen, saugen sie aus und bringen sie um das Ihre1).״ Andere Quälereien kamen hinzu. Man nahm ihnen ihre Andachtsbücher, um sie von angeblichen Lästerungen des Christenglaubens zu säubern. Abtrünnige Juden, die es nöthig hatten, den Eifer für ihren neuen Glauben zu beweisen, waren die böswilligen Verläumder2). Man zwang sie, bei Verlust von Leib und Leben in ihren Synagogen öffentlich zu verkünden und freizugeben, dass ״jeder Jud, Mann oder Weibsperson, jung oder alt, unverwehrt in die Kirchen gehen dürfe, um christliche Bekehrungspredigten anzuhören3).“ Wer dann seine Seele aus dem Verderben und Unglauben wollte retten lassen, dem wurde dauerndes Wohnrecht in der Heimath in Aussicht gestellt4). Freilich vermochten weder die feinen Redekünste des Jesuiten Heinrich Blyssemius5), noch die groben Drohworte des treulosen Juden Paul Weidner6) ״diesem verstockten und hartnäckigen Volke das Glaubenslicht beizubringen.“ Wieder wandten die Unglücklichen die einzigen Mittel an, die ihnen zur Verfügung standen, um den Schrecken der Unrast und den Fluch der Heimathlosigkeit von sich und ihren Kindern abzuwehren. Prag war dieses Mal der Mittelpunkt des Hilfswerkes7). Mordechai Zemachs, der vornehme Druckherr von Prag, der edle Sprössling einer berühmten Familie und der hochverehrte Ahnherr 1) Schickfuss III, 201. Minsberg, Gesch. d. Stadt u. Festung Gr.־ Glogau II, 108. Berndt, Gesch. d. Juden in Gr.-Glogau, S. 16. Schnurpfeil, Ober-Glogau, S. 41. Idzikowski, Oppeln, S. 122. 2) David Gans, Zemach David I zum Jahre 5319 (= 1559), Joseph ha- Cohen, Emek ha־Bacha, dtsch. von M. Wiener, S. 101. 211. Die Maassregel wurde so rücksichtslos durchgeführt, dass selbst die Vorbeter auswendig vortragen mussten. 3) Bondy-Dworsky, Nr. 611, S. 429. 4) a. a. O., Nr. 623, S. 457. 5) a. a. O., Nr. 627, S. 460. 6) a. a. O., Nr. 623, S. 458, vgl. Wolf, Bibi. hebr. I. III, ״Nr. 1810. St. C. B. Nr. 7361. ד) Zunz, Ges. Schriften III, 195.