Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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176 Nachfolger, Balthasar von Promnitz, beim Markgrafen für dieselbe widerwärtige Nation und beantragte ihren ferneren Schutz, wenn es nicht zum Nachtheil und Verderben des Landes gereiche'). Dasselbe erfahren wir von Erzherzog Ferdinand, dem Gemahl der schönen Weiserin, von den Landeshauptleuten und Beamten und von anderen angesehenen Männern und Frauen, denen ein gewisses Mass von Einfluss zugetraut wurde. Sie waren allesammt keineswegs wetterwendische Leute, die überhaupt nicht wussten, was sie wollten. Sie hatten vielmehr, wenn auch nicht ein offenes Herz für die Leiden und Klagen der Juden, so doch eine stets offene Hand für deren Geld. Sittlichen Anstoss nahmen an derartigen Beeinflussungen damals w eder die Empfänger, noch die Geber der Geschenke. Wenn schon die guten Christen nach allgemeinem Brauch für Gerechtsame, die sie erwarben, oder für zuerkannte Strafen, die sie mildern wollten* 2), reiche Geschenke darzureichen pflegten, um wie viel mehr mussten in solchen Fällen die bösen Juden geben. Selbstverständlich ergriffen diese alle Massregeln, die geeignet w aren, sich wenigstens das Heimatsrecht — das einzige, das sie überhaupt besassen — so lange als möglich zu sichern. Als darum die Städte im Oppelnschen, Ratiborschen und Oberglogauer Fürstenthum das eine Mal durch den Landeshauptarchiv zu Oedenburg, Lad. XLVIII et J. J. Fase. I, Xr. 43, mitgetheilt in der MS. 39 (1895), 560 ff. von M. Polla.k. Von ungarischen und polnischen Flüchtlingen, wie der Herausgeber meint, ist aber in der Urkunde nicht die Rede. Es handelt sich vielmehr um die einheimischen schlesischen Juden. Stilisiert ist das Schriftstück von dem Humanisten Mag. Joh. Lang, vgl. über ihn Bauch, Cod. dipl. Sil. XXV, S. 235. 6 K. Allgem. R.-Arch. München Brandenb. CCIX, Nr. 6. 2) Hier nur die am nächsten liegenden Beispiele aus dieser Zeit und Umgebung. Für die Wappenbriefe, die sich die Breslauer 1530 vom Kaiser und vom Könige ausstellen Hessen, boten sie dem böhmischen Vicekanzler Georg von Loxau 200 Gulden, wenn er die wörtliche Ausfertigung nach dem in Breslau angefertigten Concept bewerkstellige. Die Fugger in Augsburg, die in den Handel eingeweiht waren, wurden angewiesen, unter dieser Voraussetzung für den kaiserlichen Brief (d. d. Augsburg, 10. Juli 1530) 800 Gulden und für den königlichen (d. d. Prag, 12. März 1530) 300 Gulden zu zahlen (Schiclcfuss II, 303. Cod. dipl. Siles. XI, 201 ff. Grünhagen II, 50). Für die Milderung des Strafurtheils im Breslauer Pönfall mussten die Gesandten des Rats sich verpflichten, allein dem böhmischen Kanzler wegen seiner ״gneediger, treuen und vleissigen mhueö, die er in ״ytziger handlung unserthalben gepflogen und gehägt“ hat, das runde Sümmchen von fünftausend Gulden zu zahlen (Friedensburg in Z. XXIV, 125). Vgl. oben S. 160.