Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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175 Weisung binnen Jahresfrist angeordnet habe1), erneuert am 16. Juli 1545 die Vergleitung der Jüdischheit in denselben Landschaften2), verbietet gleichzeitig dem Pfandinhaber ihre Ausweisung3) und behehlt dem dortigen Landeshauptmann, sie ruhig bei ihrem Geleit zu lassen'4), und dem Bischof, als dem Oberlandeshauptmann, sie eben darum, weil sie neue Geleitsbriefe erhalten hätten, gegen jede Belästigung thatkräftig in Schutz zu nehmen5). Das Gleiche gilt vom Markgrafen. Bekanntlich war er der Vater des Gedankens, die Ausweisung an die Bedingung zu knüpfen, dass die Städte die Zahlung der Judensteuern endgiltig auf ihren eigenen Etat übernehmen6). Das hinderte ihn abe! nicht, im Jahre 1540 dem Landeshauptmann Posadowsky anzubefehlen, die Juden tunlichst in Ruhe zu lassen7), und am 27. Februar 1542 den Befehl zu wiederholen. Zwar sei auf dem Prager Landtage beschlossen worden, die Juden auch in den zu Böhmen gehörenden Ländern nicht mehr zu dulden. Da aber Ausdrückliches über Schlesien nicht beschlossen sei, und er davon kein Wissen habe, so möge bis auf Weiteres der bisherige Zustand fortdauem. Freilich wies er an demselben Tage seinen Beamten Paul Gerstner an, mit den Juden darüber zu verhandeln, ob sie ihm eine Summe Geldes zum ,,Bau zu aderbergk“ geben oder gar einen Teil des Baues übernehmen wollen. In jeden Falle sollte er, bevor die Vertreibung perfekt werde, eine Summe Geldes von den Juden zu erhalten trachten8). Nicht anders die Bischöfe von Breslau. Am 10. Oktober 1535 bat Jakob von Salza seinen Wiener Amtsbruder, den Bischof Johann von Wien und Coadjutor von Wiener Neustadt, den König zu bewegen, dass er das ״schädliche, räuberische und wucherische Judengesindel‘6 aus den Herzogthümern Oppeln und Ratibor vertreibe, weil diese ״überaus unflätige Nation66 die Bevölkerung allzusehr beschwere9). Am 6. Februar 1542 aber verwandte sich sein ג) a. a. O., Nr. 493, S. 353. Das Originalschreiben im K. Allg. R.-Archiv in München Brandenb. CCIX, Nr. 6. 2) Breslau Staatsarchiv F. Bresl. II, 8 f. 3) Bondy-Dworsky, Nr. 510, S. 362 ff. h a. a. O., Nr. 510, S. 363. :י) a. a. O., Nr. 513, S. 368. (i) Vgl. oben S. 165. ד) Geh. St.-Arch. Berlin R. 46, 3 c. V, 147. 8) K. Allg. R.-Arch. München Brandenb. CCIX, Nr. 6. °) Original-Urkunde d. d. Neisse, Montag nach St. Dionys. 1535, im Stadt-