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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1910-01-01 · 1910 · page 27

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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IRI
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174 der Fürsten gebieterisch die Schonung einer Einnahmequelle, die man nach Gutdünken durch geeigneten Druck jederzeit ergiebiger gestalten konnte. Dazu kamen die fortwährenden Türkenängste und die Lasten, die sie den Unterthanen auferlegten. War es vernünftig und rathsam, in so bösen Zeitläuften Steuerzahler, die immer noch leistungsfähig waren, aus dem Lande zu weisen und vielleicht gar zu zwingen, dass sie mit ihrer Intelligenz und ihrem Gelde Schutz und Aufenthalt bei den Moslemen suchten? Zwischen diesen Gegensätzen schwankte die Entscheidung hin und her. In ödem Einerlei sehen wir Jahrzehnte lang bald den König, bald den Landesfürsten, bald den Bischof, bald den oder jenen Grossen, bald die Stände, bald die Städte die Abschaffung der Juden das eine Mal befürworten und das andere Mal hintertreiben. Der König z. B. verbietet am 4. September 1535 dem Markgrafen Georg, die Juden in den Herzogthümern Oppeln und Ratibor zu verjagen und befiehlt dem Oberlandeshauptmann, dem Bischof von Breslau, sie zu schützen1). Ebenso gebietet er dem Bischof am 18. November 1538, die Juden unbelästigt zu lassen, bis er die Beschwerden über sie geprüft haben werde2), und nochmals, am 14. Mai 1539, dafür zu sorgen, dass die Städte in den oberschlesischen Fürstenthümern ihre Absicht, die Juden auszutreiben, nicht eher ins Werk setzen, als bis in Böhmen ein Beschluss darüber gefasst sei3). Zwei Jahre später dagegen, am 12. September 1541, weist er seine Boten zum Landtage auf dem Prager Schlosse an, zu erklären, dass er wegen der vielen Klagen, dass die Juden den Türken als Spione dienen, bereit sei, diejenigen, die sich nicht taufen lassen wollen, aus Böhmen und den Nebenländern zu verweisen4), und dem Bischof von Breslau befiehlt er am 24. August 1542, mit den Ständen in den Fürstenthümern Oppeln und Ratibor über die Summe zu verhandeln, die sie für die Vertreibung der Juden zahlen wollen5). Dann verlangt er am 20. Oktober 1544 wieder in strengen Worten Rechenschaft vom Oppeln-Ratiborer Landeshauptmann v. Posadowsky über die Verbrechen der dortigen Juden, um derentwillen der Markgraf ohne sein Vorwissen deren Aus- *) Bondy-Dworsky, Nr. 436 u. 437, S. 303 f. 2) Vgl. Brest. Staatsarchiv F. Breslau II, 8f., u. Bondy-Dworsky, Nr. 1271, S. 993. 3) Bondy-Dworsky, Nr. 443, S. 322. 4) a. a. O., Nr. 460, S. 336 f. 5) a. a. O., Nr. 474, S. 344, u. Nr. 1274, S. 996.

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