Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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171 Die Krakauer Buchdruckerei blieb übrigens nach Samuels Abzug im Besitze seiner Brüder. Sie ging bald ein, nachdem einer oder einige seiner Verwandten, oder vielleicht gar die Brüder selber, dem väterlichen Glauben untreu geworden waren. Es könnte wenigstens ״Andres Helitz, der buchbynder, ein getauffter jüd“, der am 29. Januar 1538 in Breslau das Bürgerrecht erwarb1), sehr wohl mit Ascher Heliz, identisch sein. Am Ende wäre dann Johannes Heliz, der 1538 und 1539 die ersten beiden Teile de Turim2) und ״anno deitatis incarnatae“ 1540 in Krakau eine lateinische Abhandlung erscheinen Hess3), der ״wiedergeborene“ Eljakim. Zu derselben Sippschaft und zu den Jüngern derselben schwarzen Kunst geholte aber jedenfalls Paul Heliz, der mit dem Uebereifer des Neophyten auch Andere zum Abfall zu verleiten trachtete. Theilweise gelang es ihm sogar, als er noch Katholik war4). Dann wurde er Lutheraner und kam, in wunderlicher Ueberschätzung der Werbekraft seines dritten Glaubensbekenntnisses, auf den Gedanken, seine vorvorigen Glaubensbrüder dadurch für die Kirchenreform zu gewinnen, dass er Luthers Uebersetzung des neuen Testaments für sie mit hebräischen Buchstaben drucken Hess5). Als der Erfolg, wie zu erwarten war, bei den Juden völlig ausblieb, trug er seinen Büchervorrath nach Breslau und suchte unter den Christen Absatz. Um diesem Geschäfte die Wege zu ebnen, druckte er in Hundsfeld am 21. Juni 1543 sein ״Elemental (!) oder lesebüchlen, daraus meniglich mit gutem Grund vnderwisen wird, wie man deutsch Büchlen, Missiuen oder Sendbriue, Schuldbriue, so mit hebräischen oder Jüdischen buchstaben geschrieben wurden . . . lesen vnd vorsten sol“. Ob seine wiederholte eifrige Versicherung, dass wenig Be- Schreibens oder Unterweisens bedürfe, wie mans lesen soll lernen, und dass, wer unsere deutsche Schrift lesen kann, leichtlich auch 1j Bresl. Stadtarchiv Catal. civium V, fol. 58 b. 2) St. C. B. 8127. 3) M. Georg Libani de musicae laudibus, vgl. Th. Zebrawki, Bibliographya pismienictwa polskiego z dziala matematyki i fizyki (Krakau, 1873), S. 114. 4) Im Jahre 1537 verleitete er 14 Juden und Jüdinnen zur Taufe. Der Bischof selber vollzog sie in Anwesenheit des Posener Woywoden Lucas Gorka, seines Sohnes Andreas, des Generals von Grosspolen, des Magistrats und eines grossen Publikums. Jedes der getauften Judenmädchen erhielt 10 Mark Heirathsgut, vgl. Perles, Gesch. der Juden in Posen, S. 29, Anm., u. H. B. 1864, S. 42. 5) St. C. B., Nr. 5194, 8128. Eine Probe davon bei Wolf IV, 204 f., vgl. I, 472. II, 454. Ein Exemplar dieser Ausgabe ist nicht bekannt. Nestle in Herzog-Pütts Real-Encyclopädie der protest. Theologie III, 81, erwähnt sie nicht.