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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1910-01-01 · 1910 · page 23

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721019--22-2725538
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170 Frist eine Gemeinde, die ziemlich ansehnlich gewesen sein muss. Besass sie doch ein eigenes Bethaus, das erstaunlicher Weise sogar mit einem Thurme geschmückt war1). Da wurde dieser Friede plötzlich durch ein ״erschreckliches und fast unerhörtes Ungewitter״ zerstört. Es brach am 1. September 1535, am Tage nach dem jüdischen Neujahrsfeste, gegen%Abend los, als die Gemeinde gerade des Fasttages wegen zum Gebete versammelt war. Etliche sechzig Häuser wurden übereinander geworfen und die Menschen auf den Strassen hoch in die Lüfte gehoben. Besonders die Judenhäuser griff der Sturm dermassen an. dass die Dächer abgerissen, die Böden und Kammern bloß gelegt und mit dem gesammten Inhalt in anderer Leute Häuser und Höfe geworfen wurden. Etliche Juden mit Weib und Kindern wurden aus den Gemächern über die Dächer auf die Gassen geführt und die Kinder vom Sturm fast fortgetragen. Am meisten litt die Druckerei. Das Zimmer, in dem die fertigen Druckbogen lagen, wurde gänzlich aufgerissen, die Bogen über alle Häuser und Gassen der Stadt und in das weite Feld geführt, so dass man am anderen Tage in und vor der Stadt und ringsherum deren so viele gefunden, zerrissen, in einander gemengt und an den Bäumen und Zäunen gehängt, so dass die Bauern davon grosse Bürden auf den! Felde aufgelesen und heimgetragen haben. ״Ja, diess schwehr zu verwundern, hat man in dem Knopf, welchen der Wind von dem Thurme der Juden-Kirche im Seyden Beutel stehende, geworffene solcher Bogen die Menge und also voll gefunden, dass auch nicht ein einziger mehr drinnen Raum gehabt. Jedoch hat man aller solcher Bogen kein ganz Exemplar zusammen bringen können.״ Der Wohlstand der Gemeinde und deren Fortbestand war damit vernichtet. Einer Austreibung bedurfte es nicht. Die Mitglieder werden sich ebenso schnell zerstreut haben, wie sie sich zusammengefunden hatten. Völlig zu Grunde gerichtet w ar der unglückliche Buchdrucker. Wir finden ihn erst etliche Jahrzehnte später in der Türkei wieder. Hier veranstaltete er in Constantinopel 1553 eine neue Auflage des Buches, mit dem er seine typographische Laufbahn begonnen hatte2). ג) Moibanus a. a. O., Nr. 19. Die Synagoge wurde nach dem Abzug der Juden in ein Zeughaus und 1695 in die noch jetzt bestehende Salvatorkirche verwandelt. Vgl. auchLucae 2196. Schickfuss I, 210. Beiträge zur Beschreibung von Schlesien IV, 285. Joh. Sinapius, Olsnographia II, 251. 316. ־ . 2) St. C. B., Nr. 5341, 4.

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