Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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168 gedruckt worden ist. Es ist, soviel man bisher weiss, auch das erste in Oels gedruckte Buch. Der Oelser Pentateuch, von dem wahrscheinlich nur zwei Exemplare erhalten sind, kann an Klarheit und Schärfe der Typen, an Güte und Haltbarkeit des Papiers und an Vornehmheit der Ausstattung den besten Erzeugnissen der Venetianer jüdichen Pressen an die Seite gestellt werden1)• Aber so gefällig der Druck war, so ungünstig für den Absatz war der Wohnort der Unternehmer, die damals bekanntlich für den Vertrieb ihrer Erzeugnisse selber zu sorgen hatten. Die Breslauer Messen scheinen jüdische Kunden in so nennenswerther Zahl, wie der Buchdrucker sie nötig gehabt hätte, damals noch nicht herbeigezogen zu haben. Darum siedelte die Druckerei bereits 1533 nach Augsburg2) über. Seinen ersten Augsburger Druck beendigte Chajjim Schwarz schon am 29. Dezember 1533. Nichts desto weniger versuchte schon ein Jahr später ein anderer nicht minder tüchtiger und leistungsfähiger Berufsgenosse hier sein Glück. Samuel Heliz3) hatte zusammen mit seinen Brüdern Ascher4) und Eljakim5) 1534 in Krakau einige gut ausgestattete Bücher herausgegeben. Jetzt stellte er gemeinsam mit seinem Schwager Elieser b. Salomo hier in Oels seine Pressen auf und begann sofort mit dem Druck eines Gebetbuches für das ganze Jahr6), vielleicht auch eines Pentateuchs mit der land- 1) St. C. B., Nr. 63. Das zu Anfang dieser Abhandlung nach einerPhotographie des Oxforder Exemplars wiedergegebene Titelblatt weist das sehr schön ausgeführte Wappen des Herzogs Karl von Oels ־Münsterberg (vgl. Luchs in Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift IV, 14) auf und enthält einen frommen Segenswunsch für dessen Regierung. Die Seltenheit des Exemplars hängt, wie man sieht, mit dem Sturme nicht zusammen. Bücher aus dieser Zeit sind, selbst wenn sie der Abnutzung nicht so stark wie Bibeln und Gebetbücher ausgesetzt sind, überhaupt selten. So ist z. B. von dem ersten Erzeugniss der Krakauer hebr. Buchdruckerpresse (St. C. B., Nr. 5341, vgl. Anm. 3), von den ״Pforten“ Isaaks von Düren, vollendet am 13. Mai 1534, das unserer Bibliothek gehörige Exemplar, soviel ich weiss, das einzige jetzt in Deutschland vorhandene. 2) Vgl. St. C. B., S. 2344, Nr. 7 und ferner NNr. 2674, 2072, 3370, 2448, 2834, 6196, 5560, 7, 1238, 1243. Lieber Chajjims Thätigkeit in Augsburg vgl. auch Perles, Beiträge zur Geschichte der hebr. u. aramäischen Studien, S. 171 ff. In den Jahren 1544 und 1545 druckte er dann in Ichenhausen (St. C. B., 107) und 1546 in Heddernheim bei Mainz (St. C. B., 2835, 6620, 1). 3) St. C. B., Nr. 8126 u. 5341, 1, vgl. H. B. 1859, S. 85. 4) St. C. B., Nr. 8124, vgl. 4423. 5) St. C. B., Nr. 8125 u. 8127. 6) Die einzige, aber sehr gewichtige Autorität für die Existenz dieses Druckes ist Benjakob ״Ozar ha-Sepharim [— OS]0, 753 ת. Alle meine Nachforschungen nach einem Exemplar davon sind bisher erfolglos gewesen.