Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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161 und etliche hohe Herren aus dem Herzogthum, auch einlaufende Briefe von den Eltern der Markgräfin1), suchten den Fürsten zu feindseligen Entschlüssen fortzureissen2). Schon zwei Mal, melden *) Gemeint ist die dritte Gemahlin des Markgrafen, Emilie von Sachsen, die er am 13. August 1533 geheirathet hat. Seine zweite, Hedwig (XIV, 8), die Tochter Herzog Karls I. von Oels-Münsterberg, war am 28. November 1531 gestorben. 2) Der Text folgt hier zumeist dem Inhalt der vier ursprünglich jüdischdeutschen Briefe, die in dem Münchener Aktenband Brandenb. CCIX, Nr. 6, fol. 18 ff. erhalten sind. Ueber ihre Schicksale und Datierung, von denen ihre richtige Verwertung abhängig ist, hier ein kurzes Wort. Von den vier Briefen berichten die ersten drei über die Vorgänge in Kremsier, der vierte über die Ereignisse in Ansbach. Was zuvörderst die Kremsierer Vorfälle angeht, so ist das Hauptstück (in der Handschrift fol. 19a, b und 20a, Nr. 2 bei Neustadt a. a. O., S. 5 f.), der Brief der Kremsierer Sachwalter R. Iczmann und Salomon, an die Oels-Münsterberger Juden-Aeltesten Abraham Balgei und Elias in Oels gerichtet und mit dem Datum ״Kremessir Freytag augusti am neuen“ versehen. Diesem Schreiben lag der nicht mehr vorhandene Brief des Königs Ferdinand bei. ״Der brief ist neben des Königs brief ausgangen“ (Neustadt, S. 6). Diesen irrthümlich einer Jüdin in Oberglogau eingehändigten Brief versuchten die ״auf en türm gefangenen״ Aeltesten der Oberglogauer Judenschaft, denen die betreffende Jüdin ganz correct das für die Allgemeinheit hochwichtige Schreiben übergeben hatte, an die Adressaten Abr. Pelgel und Elias in Oels zu befördern mit einem Begleitschreiben (in der HS. fol. 20b bis 21b und dazu die Nachschrift fol. 25a, bei Neustadt Nr. 3, S. 7), d. d. ״Dinstag des V tags augusti“. Der Bote, der Nr. 2 und 3 besorgen sollte, war aus Oberglogau und mit der ausdrücklichen Bedingung angenommen, dass er seinen Lohn nur dann erhalte, wenn er von Abr. Baigel und Elias Antwort bringe. ״Der Bot ist von hinnen, und wir san mit im eins worden, das wir im sein Ion nit welen geben, es sei denn, er bring ein antwort wider von euch“ (HS. fol. 21b. Neustadt, S. 8). Unterwegs merkte er bald, dass er nach Oels nicht werde gelangen können, ״weil man hat verbotten, kein bott soll nirgent hin geen zu keinem juden“ (HS. fol. 18b. Neustadt, S. 5). Darum gab er die Briefschaften (2 und 3) seinen Auftraggebern zurück. Diese aber wagten wegen der Wichtigkeit der Sache noch einen Versuch, schrieben noch einen Brief (HS. fol. 18a, b. Neustadt, Nr. 1, S. 4 f.) an die Aeltesten v n Frankenstein d. d. ״am ersten Freytag in aller frue des Monats Augusti und schickten jetzt Nr. 1, 2 und 3 nach Frankenstein. Auch dieser Versuch misslang. Die drei Briefe wurden abgefangen und ins Deutsche übersetzt. Aus ihrem Inhalt konnte man schliessen, dass für die Judenschaft Frankenstein gewissermassen als Mittelpunkt ihrer Aktion zu Gunsten ihrer Glaubens־ genossen galt. Das legte wohl den Gedanken nahe, dort nach weiteren Urkunden in derselben Angelegenheit zu suchen. So kam auch Nr. 4 (HS. fol. 22 a bis 24b. Neustadt, S. 9 ff.), das Schreiben der Frankensteiner Sachwalter aus Ansbach d. d. ״am Dornstag am augustmon abend, das ist ein tag vor irem austmond״ in die Hände der Obrigkeit. So giebt der Inhalt der Briefschaften selber mit wünschenswerther Klarheit Aufschluss über die Frage, wie die Briefe zu den Akten gekommen sind. Dieser Tatbestand wird unterstützt und bewiesen