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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1910-01-01 · 1910 · page 13

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721019--12-2725528
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160 humaniora ihr judenfeindliches Gemüt noch nicht verdorben hatten, wussten Rat und fanden schnell ein Mittel, um dem Verfahren seinen Fortgang zu sichern. Auf ihr Rechtsgutachten hin wurde der Jude nochmals gefoltert, und zwar so lange, bis er gründlich gelernt hatte, die ersten Geständnisse ״ungezwungen“ zu wiederholen. Seine angeblichen Mitwisser aber blieben fest und Hessen sich selbst durch die Bedrohung mit grausamen Qualen zu lügenhaften Bekenntnissen nicht bewegen. Auf dem Scheiterhaufen hat dann am nächsten Tage nach der Marter der ״Heilige“, wie ihn verehrungsvoll die Juden nannten, sobald der Henker das Feuer anstiess, mit lauter Stimme Alles, was er über Andere ausgesagt, feierlich zurückgenommen und ״als Sühne für ganz Israel“ die Strafe über sich ergehen lassen. Noch zwei seiner Genossen sollen, gewiss in Folge der aus־ gestandenen Martern, im Gefängniss gestorben sein. Schrecken und Entsetzen verbreiteten sich überall unter den Juden, als die Unthaten bekannt wurden. Kein Mittel blieb unversucht, um weiteres Unheil abzuwehren. Abgesandte aus dem Herzogthum Oppeln, aus den Gemeinden Oppeln, Oberglogau und Neustadt1), eilten zum Landeshauptmann und flehten um Erbarmen und hoten, wie es üblich2) war, reiche Geschenke und pochten auf ihre Privilegien, nach denen nur der Landesherr in eigener Person Über Leib und Leben der Judenschaft zu verfügen hatte. Alles umsonst. Ihre Bitten begegneten tauben Ohren. Ihre Geschenke waren vermuthlich viel zu niedrig. Ihre Privilegien, sagte man ihnen, bezögen sich nur auf Troppau, und nicht auf Jägerndorf, und seien auch vom Markgrafen noch nicht bestätigt worden. Die kühnen Sprecher wurden noch dazu selbst in Haft genommen. Ueberall, in Böhmen, in Franken und Schlesien, wurden Gelder zur Agitation zusammengeschossen. Die Judenschaft in Frankenstein schickte Sachwalter nach Ansbach zum Markgrafen. Die Boten, Kauffmann Leussel3) und Isaak, Eljakomms Sohn, hatten am Hofe keinen leichten Stand. Der Stadtschreiber von Leobschütz 1J Jacob und der dick Jud von Oppeln, der auch in Leobschütz eine Behausung hat, Faber und Mayer von Ober-Glogau, der lang Moses und Kauffmann von der Neustadt, waren die Abgesandten (Relation des Landeshauptmanns an den Markgrafen d. d. Jägerndorf, Freitag, 11. Juni 1535 in den Münchener Akten Brandenb. CCIII, fase. 4, fol. 119 ff., vgl. Anhang VI). 2) Vgl. z. B. Z. XXIV, 125 und unten S. 176, Anm. 2. 3) Es ist aus der jetzigen Vorlage nicht klar, ob eine oder zwei Personen gemeint sind. Leussel wäre etwa Elieser.

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