Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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158 anderes Weib, die Dorothea Schkaryn, der Kuppelei. Diese Dirne niedrigster Gattung legte dann auf der Folter am 31. Mai 1535 Geständnisse über eigene Zauberei und die dreier anderer Weiber ab und bekannte zugleich Missethaten, die ״Abraham Heresch von Lubschücz“, der Aelteste der Judenschaft, begangen habe. Er habe von ihr Milch von einer Christenfrau verlangt, um die Weiber im ganzen Lande damit zu verderben. Darauf hätte sie ihm am Dienstag am alten Jahrmarkt des vorigen Jahres Saumilch von Lorentz Kretzmer verabreicht und dafür einen halben seidenen Schleier als Belohnung erhalten. Ein Bauer aus Grebnig (bei Leobschütz), dem Abraham dafür eine Geldschuld erlassen, habe dann dem Juden die Saumilch zum Galgen nach Leobschütz nachgetragen und gemeinsam mit ihm den Schädel eines Aufgehängten aufgespalten und die Milch hineingegossen. Darauf habe der Jude zum Bauern gesagt: ״Horche, was darin brummt,“ und jener habe geantwortet: ״es quietzen kleine Ferklein drinnen“. Dazu hätte der Jude bemerkt, die Hure hätte ihm nicht die rechte Milch ge־ geben, sonst hätten alle Christenweiber im ganzen Lande sterben müssen. Jetzt aber würden nur alle Säue sterben. Bei der Gegenüberstellung mit der Verbrecherin, die ihm ihr Geständniss auf den Kopf zusagte, lachte der Jude der frechen Person ins Gesicht, betheuerte, dass er sie nie im Leben gesehen habe, und dass Alles von Anfang bis zu Ende glatt erfunden und erlogen sei. Nichtsdestoweniger wurde er verhaftet, und sagte dann, peinlieh befragt, alles aus, was man nur wünschte, und beschuldigte auch andere Juden der Theilnahme und Verleitung. Mit seinen Genossen sei er unter dem Galgen zusammengekommen und hätte gemeinschaftlich mit ihnen gezaubert und wäre mit ihnen gemeinsam noch in derselben Nacht zu einer Beschneidung nach Oberglogau gegangen. Beredet habe ihn zu allen Uebelthaten der Bösewicht Baruch von Gels, der auch zu Oppeln ein Haus habe. Ueberkinder mordt. Durch Doktor Joh. Ecken zu Ingolstadt (Ingolstadt 1541, 4), fol. F, 3a, vgl. ZGJD. II, 328 f. — Vgl. Bergemann, Löwenberg, S. 603. Minsberg, Gesch. d. Stadt Leobschütz, S. 159. Troska, Gesch. d. Stadt Leobschütz, S. 65. Neustadt a. a. O. beschränkt sich fast ganz auf die Erläuterung der vier abgefangenen Briefe — vgl. unten S. 161, Note 2 —, die sich im Münchener Aktenstück ßrandenb. CCIX, Nr. 6, fol. 18—25 finden. L. Feilchenfeld, R. Josel von Rosheim (Strassburg, 1898), S. 136 f., spricht darum mit Recht von ״einer uns in ihren Einzelheiten unbekannten“ Judenverfolgung in Schlesien. S. P. Rabinowitz, der Feilchenfeld ins Hebräische übersetzt hat, hat (S. 94; seine Vorlage nicht verstanden.