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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1910-01-01 · 1910 · page 9

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721019--08-2725524
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156 die diplomatischen Künste zu handhaben verstand, beweisen seine Erfolge in Schlesien. Das Herzogthum Jägerndorf erwarb er käuflieh, die Herrschaft Beuthen brachte er als Pfandschaft an sich1). Mit den letzten Vertretern der Oppeln-Ratiborer Herzogslinie, deren Aussterben bevorstand, schloss er Erbverträge2). Mit den anderen selbstständigen schlesischen Herrschern verbanden ihn nahe Bande des Blutes. Herzog Friedrich II. von Liegnitz, Brieg und Wohlau (X, 2) war sein Schw ager3) und Herzog Karl von Oels und Münsterberg (XIII, 21) sein Schwiegervater4). So war er, als Erzherzog Ferdinand den Thron bestieg, der thatkräftigste Vertreter der schlesischen Sonderinteressen gegenüber den weitgehenden An- Sprüchen der böhmischen Krone. Den Juden w ar er wreder zunoch abgeneigt. Entsprechend seinem Wahlspruch: ״Gottes Wort war’ nicht schwer, wenn nur der Eigennutz nicht war“5), schätzte er sie lediglich als eine Ziffer in der Aufrechnung der Einkünfte aus seinem Kammergute und liess sie zu und jagte sie fort, je nachdem sein augenblicklicher Vortheil es erheischte6). Nach Schlesien kam er nicht gerade häufig. Die Verwaltung leitete hier sein Landeshauptmann, zu grossem Verdruss des eingesessenen Adels nicht selten ein ausländischer Edelmann, der trotz der strengen Rechenschaft, die er dem Fürsten schuldig w^ar, ein reichliches Maass selbstständiger Amtsgewalt besass. Die Juden erfuhren das schnell genug zu ihrem Verhängniss. Kleinlicher Krämemeid gab den ersten Anstoss zum Ausbruch der Feindseligkeiten. Am Dienstag vor Mittfasten 1534, am 12. März, beklagten sich der Bürgermeister und der Rath *) Grünhagen a. a. O. und Bd. II, S. 58 ff. 2) Grünhagen a. a. O. I, 370 ff., 379., II, 55 ff. 3) Grünhagen, a. a. O. II, 23. Zu seiner Pilgerfahrt nach dem hl. Lande vgl. auch meine Notizen in der MS. 29 (1880), S. 91 ff. 4) Vgl. Schimmelpfennig in Z. XVIII, 117 ff., und Knötel in Z. XXVI, S. 70. 5) Minsberg, Gesch. der Stadt Leobschütz, S. 48. 6) Aus seinen Erblanden z. B. trieb er sie 1515 gemeinsam mit seinem Bruder Kasimir aus (Eckstein, Gesch. der Juden im Markgrafthum Bayreuth^ S. 18). Von 1525 an ertheilte er dann wieder einige Schutzbriefe für Fürth (Eckstein, S. 14, zu ergänzen nach meiner Abhandlung: ״Eine Sammlung Fürther Grabsteine“, S. II) und Bayreuth. Im Jahre 1539 aber erklärte er in einem Reverse, dass er alle Juden bis Johanni abschaffen und keine neuen weder einkommen, noch durchziehen lassen werde (Eckstein, S. 20).

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