Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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155 Herzog Georg von Liegnitz einen jüdichen Leibarzt, Dr. Abraham, der mit Erlaubniss seines Gebieters sich auch dem Herzog Wenzel von Teschen (VIII, 13), wenn eines seiner Familienmitglieder oder einer vom Adel erkrankte, zur Verfügung stellen durfte und von Brieg bis Kaschau der gesuchteste Heilkünstler gewesen ist1). Das ist etwa alles, was wir aus dem 16. Jahrhundert über Juden auf dem linken Oderufer erfahren. Auch auf dem rechten und in den übrigen Landschaften Oberschlesiens waren ihre Tage gezählt. 1. Vertreibung der Juden aus dem Herzogthum Jägerndorf. Zuerst gingen die Juden im Herzogthum Jägerndorf, das seit 1523 dem Markgrafen Georg dem Frommen von Hohenzollern ge־ hörte, des Heimatrechts verlustig2). Der Markgraf war ein welterfahrener, menschenkundiger, zielbewusster Herr und in vielen Stücken ein glücklicher Erbe der mannichfachen Begabung seines Grossvaters Albrecht Achilles. Als nachgeborener Sohn der fränkischen Linie seines Hauses in früher Jugend schon auf sich selbst gestellt, verstand er es, schnell im Auslande am Hofe seines Oheims, des Königs Wladvslaw, Vermögen und Einfluss zu ge־ winnen. Sein Ansehen wuchs, als ihm die Vormundschaft des jungen Königs Ludwig und das Amt des Reichsverwesers in Ungarn und Böhmen zutiel. Die ernste Sorge um sein Seelenheil und das mannhafte Streben, die Grösse seines Hauses zu vermehren, waren die innersten Antriebe aller seiner Handlungen. Der kirchlichen Reformbewegung war er aufrichtig zugethan und galt in Schlesien und im Reiche als einer ihrer unerschrockensten und gewandtesten Vorkämpfer und Vertreter. Wie meisterhaft er händige Randbemerkungen hinzugefügt hat. Ergötzliche Mittheilungen daraus macht Ulrich Schneider in einem Aufsatz, betitelt: ״Eine merkwürdige ProphezeiungÄ in der Zeitschrift ״Im neuen Reich“, herausgegeben von Wilhelm Lang, Jahrg. 1881, Nr. IQ, S. 369—376. Auch Hess die Gemeinde Krakau, wie mir mein unvergesslicher Freund David Kaufmann s. A. am 19. Oktober 1890 schrieb, durch David Darschan in Frankfurt am Main einen Alchymisten Mordechai etwa 1550 reklamiren, weil er daheim Weib und Kinder sitzen gelassen hatte. Vielleicht wissen Andere Näheres hierüber mitzutheilen. ג) Biermann a. a. O. 2) Biermann, Geschichte des Herzogth. Troppau und Jägerndorf, S. 319 ff. Vgl. desselben Aufsatz in Z. XI, 40 ff. Minsberg, Gesch. d. Stadt Leobschütz, S. 40 ff. Troska, Gesch. der Stadt Leobschütz, S. 54 ff. Grünhagen, Gesch. Schlesiens I, 375 ff., II, 22 ff.