Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1910-01-01 · 1910 · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2720904-2721019--04-2725520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

152 des Glaubens, der Herkunft, der Sprache und der Hautfarbe Zutritt haben sollte, zugelassen1). Etwas anders in Breslau und Görlitz. Hier in Breslau war der Gewinn aus dem polnischen Handel eine Grundsäule des Wohlstandes. Angesichts solch baaren Vortheils schwiegen Hass und Vorurtheil, und die gestrengen Kaufherren, die am Rathstisch herrschten, Hessen es sich gern gefallen, dass die ״vornehmsten herrschaften aus der CronPolan die Juden allhie in mergkten vor yhre factores, einkewffer vnd getreue diener gebrauchten“, ohne zu wagen, sie während dieser Zeit mit Ungebühr zu behandeln oder gar ihnen auch nur die geringste Mehrsteuer als anderen Marktbesuchern aufzulegen2). Ganz anders lautete freilich die Rede, wenn die jüdischen Handelsleute sich nicht des Vorzuges rühmen konnten, aus Polen herzukommen. Als z. B. einmal ״welsche Juden“ auf den Märkten Seidenzeuge aus ihrer Heimath verkauften und die Absicht äusserten, demnächst auch niederländische Waaren feilzuhalten, bat sofort eine ״allgemeine gantze ״Sammlung der Kaufleute den Rath himmelhoch, solchen Frevel .,nicht zu dulden, da die Juden Schänder und Lästerer unseres .,Herrn und Seligmachers, darzu Landtverreter und Betrüger seien“. Schon sei es dem Rath gelungen, Wohlstand und bürgerliche Zucht zu begründen. Wofern aber die Juden auf den Märkten mit welschen und niederländischen Waaren ungestraft handeln dürften, werde ״weder Glück, Heil, Gottes Segen und Gedeihen unter der Bürgerschaft sein, sondern eitel Verderben, Untergang, Gotteslästerung, Räuberei und Dieberei und allerlei Uebel in Schwang kommen3).“ In der That blieb diese gute, gerade in jenen Tagen von keinem Geringeren als Melanchthon als ein ״domicilium quasi humanitatis“ gerühmte Stadt den Juden 1537 und wann immer ebenso verriegelt und verschlossen, wie die Nachbarstädte, denen sie auch in dieser Hinsicht ein Vorbild aller Bürgertugenden war4). *) Bresl. Stadtarchiv NNN 465 Deduction der Zünfte, Kaufleute u. s. \v. an den Magistrat bezüglich der Juden-Austreibung, d. d. 13. November 1697. 2) Bresl. Stadtarchiv EEE 446 a bis d. Die Worte aus einem Schreiben des Raths an Dr. Heinrich Ribisch (vgl. über ihn Bauch in Z. XXVI, 238 ff. und Förster XLI, 188 ff.) aus dem Jahre 1537 ohne näheres Datum. 3) Bresl. Stadtarchiv Scheinig Nr. 691 d. d. Breslau, 24. October 1569. 4) . . . ״talem esse civitatem, quae vicinis exempla praebeat virtutis, quae sit domicilium quasi humanitatis4* . . . schreibt Melanchthon am 15. Mai 1538 an denselben Heinrich Ribisch. Vgl. Phil. Melanchthon, Opp.. ed. Bretschneider, III, col. 523, n. 1674, citirt von Förster a. a. O., S. 1SL.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.