Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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6. Vom Tode König Ludwigs bis zur endgiltigen Vernichtung der ersten Ansiedelungen (1526—1582). Als der junge König Ludwig in der Schlacht bei Mohacs im Kampfe gegen die Türken Thron und Leben verloren hatte, wurde sein Schwager, Erzherzog Ferdinand von Oesterreich, der Bruder Kaiser Karls V., nach dem Erbrecht und durch besondere Wahl sein Nachfolger in den beiden Königreichen Ungarn und Böhmen und in den zur böhmischen Krone gehörigen Ländern. Mehr als zwei Jahrhunderte waren nun die Habsburger die Oberherren der schlesischen Gebiete. Von Stunde an war der Sieg des Deutschthums hier zu Lande endgiltig entschieden, wenngleich ein bestimmtes Rechtsverhältniss zum deutschen Reiche noch nicht bestand. Als Ferdinand den Thron bestieg, hatte die Reformation ihren Siegeslauf bereits begonnen. Schon drohte das einheitliche Glaubensband zu zerreissen, das die Nachfolger Petri von Rom aus in zielbewusster und ruhmgekrönter Arbeit nach dem Zerfall der antiken Staatsgebilde um die zersplitterte europäische Menschheit geschlungen hatten. Der Augustinermönch von Wittenberg und seine Helfer feierten damals die ersten Triumphe, und nach Jahrzehnte langem gewaltigem Ringen wurde auf deutschem Boden mit Blut und Eisen die Aussaat religiöser Duldung ausgestreut. Religiöser Duldung zunächst natürlich nur füNr die Christen untereinander. Denn die Juden wanderten noch Jahrhunderte lang in Schmach und Rechtlosigkeit auch in den Ländern, deren Herrscher der neuen Glaubensform zugethan waren. Die Gesetze, die sie fernhielten, wo sie einmal fortgejagt waren, behielten selbstverständlich ihre Kraft und Giltigkeit. In Bunzlau, Jauer, Liegnitz, Löwenberg, Glatz, Schweidnitz, Strehlen und Striegau wurden sie nicht einmal zum Handel und Verkehr auf den ״freien“ Jahrmärkten, zu denen alle Welt ohne Unterschied