Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721021--085-2725490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
86 und böse nicht von Natur, nicht <f60et, sondern lediglich durch Satzung, gegeben sei. Da wir nun nach den obigen Ausführungen Grund zur Annähme haben, dass die Lehre der Sophisten den Mutakallimun nicht unbekannt war, so sind wir umsomehr berechtigt, die Ansicht Bisrs in gleichem Sinne zu deuten. Nicht bloss, dass der Begriff des Tawallud in der Bedeutung mittelbare Handlung auf die Wahrnehmung nicht passt, so ist auch der andere Teil der Behauptung, die Behauptung, dass der Mensch Farbe, Geruch und Geschmack erzeuge, nicht gut verständlich, wenn man auch hier zwischen unmittelbarem Tun und der erzeugten Wirkung unterscheiden könnte. Was soll man nämlich darunter verstehen, dass der Mensch den Geschmack erzeuge? Offenbar im Hinblick auf die Ansicht Bisrs wird im Mawakif in einem besonderen Kapitel im Anschluss an die Lehre vom Tawallud davon gehandelt, ob bei der Hervorbringung der Farbe und des Geschmackes der Mensch als eigentliche Ursache anzusehen sei, wobei für den Geschmack ein sehr auffallendes Beispiel gewählt wird1). Wenn aber Bisr wirklich das hätte sagen wollen, dass der Mensch auch als Ursache der von ihm mittelbar erzeugten Wirkungen zu gelten habe, so hätte er doch viel näher liegende Beispiele gewählt und nicht gerade von Farbe, Geruch und Geschmack gesprochen. Man verstand offenbar den ursprünglichen Sinn seiner Behauptung nicht mehr, man wTisste nicht mehr, wras es bedeuten soll, dass der Mensch die genannten Eigenschaften erzeuge, und hei auf die sonderbare Erklärung, es sei gemeint, er erzeuge den Geschmack bei der Zubereitung von Speisen, während es nach unserer Auffassung klar ist. Der Satz ist ganz einfach zu nehmen: durch die Richtung des Sinnesorgans auf das ihm adäquate Objekt werden in den Dingen Farbe, Geruch und Geschmack und in dem Subjekt die Wahrnehmung erzeugt. Nach unserer ״Auffassung würde sich auch ein Zusammenhang ergeben zwischen der Lehre Bisrs in bezug auf das Tawrallud und der gleich darauf von Sahrastani erwähnten Behauptung betreffend das Vermögen2). *) Mawakif S. 123: LäLc^>I JvvLc. ^:jül 2) Sabr. S. 44: iwOLw ^1 njJJJI ^5 Lu jsjtÄJ Jyd 5י ^li^l y* L^L^sij