Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2721021--081-2725486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 — sich die Frage, wie sich denn das Sehen und Hören in ein unmittelbares Tun und eine davon erzeugte Wirkung zerlegen lasse. Wenn beim Nachdenken und Erkennen dies zur Not noch möglich ist, so ist eine solche Scheidung bei den Sinneswahrnehmungen nicht gut denkbar. Eine andere Schwierigkeit, auf die wir später noch zurückkommen werden, wollen wir hier nicht weiter erörtern, und gehen vielmehr an die Beantwortung der aufgeworfenen Fragen. Was zunächst die ganze Unterscheidung zwischen unmittel־ baren und mittelbaren Handlungen betrifft, so verweisen wir auf den oben S. 26 erwähnten Satz des Nazzam, dass alle Handlungen, insofern sie das Subjekt der Macht überschreiten, Handlungen Gottes seien, wofür als Beispiel das Fallen des in die Höhe geschleuderten Steines angeführt wird. Diese Darstellung streitet gegen das, was in Mawakif soeben im Namen Nazzams überliefert wird. Während es nach Sahr. hauptsächlich darauf ankommt, ob die Handlung das Subjekt überschreitet, ist dieser Unterschied nach Mawakif unwesentlich. Doch wollen wir auf diesen Widerspruch kein Gewicht legen, um so mehr aber auf die Schwierigkeiten, welche die Behauptung Nazzams nach der Darstellung Sahrastanis an sich hat und auf die wir bereits oben hingewiesen haben. Wir glauben, dass hier ein Missverständnis vorliegt, das durch eine allzu sklavische Uebersetzung aus dem Griechischen entstanden ist. Der Unterschied zwischen den freiwilligen Handlungen, die als if Tjavj oder i7t\ rw ivspyown, d. h. als in unserer Gewalt liegend, bezeichnet werden, und dem notwendigen Naturgeschehen, wurde zu einem Unterschied zwischen dem, wras vom Tun am Subjekt haftet und dem, w^asdarüber hinausgeht. Wir brauchen nicht an־ zunehmen, dass der Irrtum bereits bei Nazzam beginne, dieser mag den Unterschied richtig erfasst und die Handlungen des Menschen, die er als in dessen Gewalt liegend {e<p rjfxb) bezeichnete, der in der Natur herrschenden Notwendigkeit gegenüber gestellt haben, wobei er die von den Menschen hervorgebrachten Veränderungen als Wirkungen des Menschen, die Veränderungen in der Natur als Wirkungen Gottes bezeichnete. Für die in der Natur herrschende Notwendigkeit wählte er das bekannte Beispiel vom Stein, der, in ergänzen sich gegenseitig. Wir verweisen noch auf die von Ibn Hazm in der oben S. 79 A. 2 zuletzt zitierten Stelle gebrauchten Beispiele von den Wirkungen des Feuers und des Schnees, auf die auch nicht der Begriff des Tawallud in seiner gewöhnlichen Bedeutung als Gegensatz zu Alubasara gut passt.