Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2721021--075-2725480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
:76 Definition, die wir soeben von der Existenz gehört haben, dass sie dasjenige sei, wodurch die Substanz eine Richtung bekommt1), erweckt in uns einen neuen Verdacht. Es behaupteten nämlich die Mutakallimun, dass die Atome keine Ausdehnung, wohl aber eine Lage haben, oder, wie andere den Ausdruck übersetzen, einen Raum erfüllen2). Man wollte darin eine Fortbildung der Atomenlehre erblicken, allein wir bezweifeln es, indem wir uns die Frage vorlegen, worauf die obige Definition des Seins beruhe. Wir antworten: man nahm an, dass auch das begriffliche Ding, also auch das begriffliche Atom, noch bevor es in die Erscheinung getreten, etwas Reales, Positives.sei. Was bewirkt also die Existenz, wenn sie hinzutritt? Man antwortete, es wird räumlich, während der Begriff unräumlich ist. Daher der Ursprung der Annahme, das Atom sei — eine seltsame Verquickung ganz heterogener An־־ schauungen. B. Nur in aller Kürze w ollen wir noch den bekannten Satz der Mutakallimun, dass ein Accidenz nicht in einem anderen sei* die vierte Prämisse bei Maimuni, besprechen. Die Verw endung, welche dieser Satz im Beweise Abu Hasims oben S. 65 findet, macht es zweifeihaft, ob derselbe ursprünglich in dem Sinne gebraucht wurde, in welchem er später verstanden wird. Abgesehen von dem sonderbaren Schluss, dass die Spezies schwarz und ebenso der Gattungsbegriff Farbe nicht existieren, wreil sich sonst die Existenz eines Accidenz in einem anderen, nämlich der Farbe in schwarz und weiss, ergeben würde, — abgesehen von diesem Schluss, sehen wir, wie hier von der Behauptung der Mutakallimun in einer Weise Gebrauch gemacht wird, dass sowohl die Gründe, die Maimuni für die Ansicht der Mutakallimun beibringt3), als auch die Begründung Al-Razis4 * * * * * iO), die an eine Stelle bei Aristoteles erinnert, hinfällig er- ב) Vgl. darüber Al-Razi S. 37 u. oö. -) Vgl. ßiram, Kitab al-Masa*il, deutscher Teil, S. 20 A. 2. 3) Maimuni, More I, 73, 1. Ein Grund lautet, weil die Mutakallimun jede Gesetzmässigkeit in der Natur aufheben und darum nicht zugeben wollen, dass ein Accidenz Vorbedingung für die Möglichkeit der Existenz eines anderen sei. Der zweite Grund lautet, die Accidenzen dauern nach den Mutakallimun nicht, folglich kann nicht eines Träger eines anderen sein. Al-Razi S. /9! >L4äjM! \il ixjyxA• iO ^^X J '•mb V.» .X.AJ Ji! * Vgl. Arist. Metaph. 1007 a, 33.