Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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71 liege. Die Anschauungen A. I־L’s sind nun sicherlich nicht ohne Einfluss auf Al־As‘ari geblieben, werden doch die As‘ariten von Ibn Hazm geradezu als Anhänger der Ahwal-Lehre bezeichnet1). Und wenn auch diese Behauptung vielleicht nicht zutrifft, so wird man nichts desto weniger in bezug auf die Opposition AUAsaris gegen die mutazilitische Lehre von den Wesensattributen eine Einwirkung von Seiten A. H.’s mit Recht annehmen. Ja, es zeigt sich dieser Einfluss auch in der Art, wie er das Verhältnis zwischen den Attributen und dem Wesen bestimmte, in der Behauptung, dass die Attribute weder mit dem Wesen Gottes identisch, noch von demselben verschieden seien. Wenn daher Maimuni diese Lehre Al-Ascaris und die Lehre A. Hasims von den Ahwal neben einander als Meinungen aufführt, die gegen den Satz vom ausgeschlossenen Dritten verstossen2), so besteht zwischen beiden Ansichten ein tieferer Zusammenhang, als man nach der Darstellung Maimunis vermuten könnte. Warum behauptete nämlich A. HL, dass man den allgemeinen Begriffen weder das Prädikat des Seins, noch des Nichtseins beilegen könne? Weil alle Begriffe an dem Begriffe des Seins Teil haben und doch von ihm verschieden sind, und eben diesen Gedanken der gleichzeitigen Gemeinschaft und Differenz überträgt Ai-As‘ari auf die Attribute und das Wesen. Die Attribute sind weder mit demselben identisch, noch von ihm verschieden, es besteht zwischen ihnen das Verhältnis der Gemeinschaft und Differenz. Aber selbst, wenn wir eine Beeinflussung in diesem speziellen Punkte dahingestellt sein lassen, so wird man mit Recht annehmen, dass die Gründe, welche A. H. bestimmten, die mutazilitische Attributenlehre zu verlassen, auch für Al4־A§ari massgebend waren. Und so stellt sich am Ende die seltsame Tatsache heraus, dass die von Al-As‘ari begründete orthodoxe Glaubenslehre des Islam manches dem platonischen Sophisten zu verdanken hat. Auch die Frage, ob das Nichtseiende ist Js^׳), welche in der Litteratur des Kalam sehr weitläufig erörtert w ird und eine Hauptkontroverse zwischen den Mutaziliten von Bagdad und Basra bildet, knüpft an den Sophisten an. Da nach Plato die Existenz ein besonderes Accidenz ist, das zu den Dingen hinzukommt, so ergab sich für die Mutaziliten von Bagdad, dass das begriffliche, ideelle Ding, noch bevor es in die äussere Erscheinung getreten, etwas Reales, Positives sei, zu w׳elchem die äussere konkrete J) Vgl. oben S. 63 A. 2. צ) More I, 51.