Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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kurze Wiedergabe der Sätze M.’s, ohne ihnen eine Erklärung hinzuzufügen, so dass wir über seine Auffassung nichts wissen, doch werden wir später reichlich Gelegenheit haben, auch bei ihm Missverständnisse nachzuweisen. Wir gehen nun auf die einzelnen Behauptungen M.’s über, wobei wir mit der letzten beginnen. a) Wir können keinen bestimmten Sinn verbinden mit der Umschreibung Steiners, der die letzte Behauptung mit den Worten wiedergibt, M. habe „den Unterschied zwischen Bewegung und Ruhe nur in den Begriff, nicht in das Wesen“ gelegt1). Ebenso unklar und widerspruchsvoll ist es, wenn De Boer im Hinblick auf unsere Stelle sagt: „Mu‘ammar ist Konzeptualist. Bewegung und Ruhe, Gleichheit und Verschiedenheit usw. sind nichts an sich, sondern haben nur eine begriffliche oder ideelle Wirklichkeit“2). Der richtige Sinn ist jedoch nicht schwer zu ermitteln. Die in der Behauptung M.’s vorkommenden Begriffe Bewegung, Ruhe, Aehnlichkeit, Verschiedenheit erinnern an die von Plato im Sophisten aufgestellten fünf obersten Kategorieen: Sein, Bewegung, Ruhe, Identität, Verschiedenheit, und dort ist die Quelle für die Meinung M.’s zu suchen. Der Begriff, durch welchen Ruhe und Bewegung verschieden ist, ist nicht der Begriff der Ruhe und Bewegung, — denn davon, dass jedes Accidenz, das in einem Träger vorhanden, in ihm nur durch einen entsprechenden Begriff vorhanden ist, davon ist in der zweiten Behauptung die Rede — gemeint ist vielmehr der Begriff der Verschiedeneit, des Andersseins. Mit der Behauptung M.’s ist die Aeusserung Platos zu vergleichen, dass von den fünf Kategorieen jede von der anderen nicht durch ihre eigene Natur, sondern durch die Teilnahme an der Idee der Verschiedenheit verschieden ist3). Wenn nun auch die Worte Sahrastani’s keineswegs von einer gewissen Dunkelheit freizusprechen sind und ein klarer unzweifelhafter Sinn nur durch Vergleichung mit der Quelle gewonnen wird, so lässt sich doch die von uns gegebene Erklärung mit den Worten S.’s vereinbaren. Ganz irreführend ist hingegen, was Ibn Hazm über die Ansicht M.’s sagt. In einem Kapitel mit der Ueberschrift: Ueber die Begriffe (nach der Ansicht des Mu'ammar, heisst es: Was M. und seine Anhänger betrifft, so sagen sie, wir finden das sich Bewegende und Ruhende und haben *) Steiner a. a. O., S. 69. *) De Boer a. a. O., S. 54. s) Soph. 255: εν εκαατον γάρ ειερον είναι των άλλων ου διά τήν αυτου φύσιν, αλλά διά τδ αετεχειν τ^ς ιδίας “Τ' ς ΰαζίρου.