Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721021--039-2725444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
40 die Vorstellung von einer Sache, so wie sie ist, verbunden mit einer Hinneigung der Seele zu jener Vorstellung1). Das Merkmal der Hinneigung, welches hier in die Definition des Wissens aufgenommen wird, ist aber nichts anderes, als die auyyM.Tddeav:y die Zustimmung, der Beifall, welchen die wahre Vorstellung sich im Gegensätze zur falschen erzwingt, das subjektive Kriterium der Wahrheit nach der Ansicht der Stoiker. Diese Nachricht ist um so wichtiger, als sie ganz allgemein von den älteren Mutaziliten redet und eine Uebereinstimmung in einer so prinzipiellen Frage wie die über das Wesen des Wissens, eine Uebereinstimmung in vielen anderen Fragen, die von den Stoikern in der Logik behandelt werden, voraussetzt. Wir dürfen daher mit Recht annehmen, dass die allen Mutaziliten gemeinsame Anschauung, wonach die sittliche Erkenntnis wie die Gotteserkenntnis für den Menschen durch die Vernunft notwendig sei, von den Stoikern stamme, welche die genannten Erkenntnisse zu den xoemi ewoiat oder angeborenen Vorstellungen rechneten. Ebenso dürfte die von den Mutakallimun viel erörterte Frage, ob der Name mit dem benannten Objekte identisch sei, welche von den Späteren nicht mehr richtig verstanden wurde2), mit der von den Stoikern in der Logik erörterten Frage, ob die Sprache <p6aet oder wijm sei, gleichbedeutend sein3). Ja, es fehlt nicht an Anzeichen, dass auch auf die Ethik der Mutakallimun, auf ihre Pflichtenlehre, die Ansichten der Stoiker nicht ohne Einfluss geblieben sind4). Dasselbe gilt von vielen Einzelheiten, die wir nicht der Reihe nach aufzählen können5). V Jedenfalls ist nach jener Notiz bei Al-Guwaini über die älteren Mutaziliten und nach den Beziehungen, die wir später zwischen den Stoikern und einzelnen Mutakallimun antreffen, die Vermutung 1) Irsad 3 b angeführt von Schreiner ZDMG Bd. 52 S. 496 A. 5: Ki U vX>5^ ־ fjJLS JÜä wXüXjuJI ^1 2) Vgl. Mewakif S. 159, wo erklärt wird: ^lyJI jA ^lxÄ£.b okxJ! ן•! olvXJ! *J♦ Dies aber ist nicht gemeint, sondern die Frage, ob der Name das Wesen der Dinge an deutet oder ganz willkürlich gewählt ist. 3) Steinthal, Gesch. d. Sprachwissenschaft bei d. Griechen u. Römern I, S. 44. 4) Vgl. S. 43 Anm. 2. 5) So deckt sich beispielsweise der erste Beweis der Mutakallimun für das Erschaffensein der Welt bei Maimuni I, 74, 1 mit dem Beweise der Stoiker bei Philo, de provid. I, § 9 u. 11.