Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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36 Stoiker dies in nicht minder paradoxer Weise von der Wahrheit taten. Eine Bestätigung erhält diese Vermutung durch die Bemerkung Sahrastanis, dass die gleiche Behauptung wie Gahiz auch Abu Bekr Al-’Asamm ausgesprochen haben soll, dessen Ansicht von der Bewegung oben S. 17 A. 2 in Wirklichkeit nicht von der Ansicht verschieden ist, dass die Bewegung ein Körper sei. Dies aber deckt sich, wie wir soeben gesehen, vollständig mit der Anschauung der Stoiker, dass alle Tätigkeiten, das Gehen, Tanzen usw., Körper seien1). V Auch der andere Ausspruch des Gahiz vom Höllenfeuer, das seine Bewohner in seine eigene Natur verwandelt, enthält vielleicht nichts anderes, als die stoische Anschauung von der EXTzipaHTic, die Lehre, dass das Urfeuer in gleicher Weise, wie alles aus ihm hervorgegangen ist, auch alles in sich zurückziehen und in seine eigene Natur zurückvenvandeln ward. Dass bei Gahiz aus einem rein physikalischen Vorgang ein ethischer wird, ein Läuterungs־ prozess für die Schlechten, ist um so weniger befremdlich, als bei den späteren Stoikern selbst, wie Barth bemerkt, die zx-ifmats einen teleologisch - ethischen Charakter erhält und dann eintritt, ״wrenn Gott beschlossen hat, eine bessere Welt zu beginnen, die alte zu beenden“2). Dass das Feuer seine Bewrohner an sich ziehe, ohne dass einer hineingehe, bezeichnet die Notwendigkeit, mit welcher die Sünde die Strafe herbeiführt. Ein entschiedener Determinismus ist es auch, der sich in den V anderen Ansichten, die von Gahiz überliefert sind, deutlich ausspricht und den stoischen Ursprung verrät. Die Handlungen des Menschen erfolgen mit Notwendigkeit, werden aber gleichwrohl als seine Handlungen angesehen, weil sie mit seinem Willen geschehen. Dieser Wille selbst ist nach einer offenbar richtigen Version nicht etwa Freiheit im gewöhnlichen Sinne, sondern lediglich das Wissen J) Aus unserer Stelle in Verbindung mit S. 15 ergibt sich, dass die von Ibn Hazm oben S. 17 A. 2 als verschieden angeführten Ansichten, die des Hisam, dass die Bewegung ein Körper sei, wie auch die des Abu Bekr, dass es keine Ruhe und Bewegung, sondern nur einen ruhenden und sich bewegenden Körper gebe, nur im Ausdrucke verschieden und ebenso stoischen Ursprungs sind, wie die daselbst angeführte Ansicht Nazzams über die Bewegung des Ttimad. Die von Ibn Hazm gleichfalls angeführte Ansicht, dass der Körper im Augenblicke der Schöpfung weder ruhe, noch sich bewege, sagt zur Ruhe und Bewegung nichts und ist, wie wir sehen werden, lediglich die Beantwortung einer von Plato im Sophisten aufgeworfenen Frage. 2) Vgl. P. Barth, die Stoa, S. 39, mit Hinweisung auf Sen. de beneüciis IV, 8, nat. quaest. III, 1. 28.