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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1909-01-01 · 1909 · page 35

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1909
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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35 v Erklärung zu verzichten. Aber andererseits kann man Gahiz nach den Schriften, die wir von ihm besitzen, einen vollkommenen Widersinn nicht Zutrauen, und wollte man auch annehmen, dass die Ueberlieferung korrumpiert ist, so fragt es sich, was derselben zugrunde liegen mag. Es ist nun seltsam, dass wir bei den Stoikern auf ähnlich klingende absonderliche Behauptungen stossen. Auch sie sagten beispielsweise, die Wahrheit sei ein Körper, ein Tier und ebenso nannten sie sämtliche Tätigkeiten, das Gehen, Tanzen usw., einen Körper, ein Ccoo^). In welche Ge- Schmucklosigkeiten man dabei verfiel, und welche Gründe man für und gegen diese Bezeichnungen vorbrachte, kann man aus einer Epistel Senecas ersehen, welche an der Spitze die Frage trägt, ob die Gerechtigkeit, Tapferkeit, Klugheit und die anderen Tugenden Tiere sind, und diesen Gegenstand sehr weitläufig erörtertl 2 3). Es verlohnt sich nicht, auf die Einzelheiten einzugehen, aber es wird aus der Erörterung jedenfalls klar, wie jene Bezeichnungen zu verstehen sind. Die Tugenden werden animalia genannt, weil sie in Wirklichkeit nichts anderes sind als ein so und so beschaffener ■Geist (animus quodam modo se habens). Ebenso verstanden die Stoiker unter Wahrheit nicht die Wahrheit in objektivem Sinne, die als etwas Unkörperliches nach der Ansicht der Stoiker gar kein reales Sein hat, sondern die Wahrheit in subjektivem Sinne als eine Beschaffenheit der Seele, und diese, das Wissen als Zustand des Geistes, bezeichneten sie von ihrem Stand־ punkte aus als einen Körper oder als ein 500^). Nach dem, was wir von der vertrauten Bekanntschaft Nazzams mit den Ansichten der Stoiker wissen, und nach der auffallenden Aehnlichkeit zwischen v der Behauptung des Gahiz und der Redeweise der Stoiker, ist es V nun keineswegs fernliegend anzunehmen, dass Gahiz den Koran in einem ähnlichen Sinne einen Körper und ein Tier nannte, wie die l) Sextus adv. Math. VII, 38: rk dXrftzia 30)1133!/׳tiv tm'j 030v 3,17«;1317־ ׳/.X7]!)0׳)v 0c7:G׳p7׳.vTtx7; 00x3t ע.י03!/׳ץץג׳:ך rA3a 03 3־ {17«[1317־w: 3yov I3־iv y^jiovixov; Plutarch, de comm. not. XLV: ־pöc; ־0׳k01; [den vorhergenannten xo׳t׳zX7]631c, YJ"rMVJX and ־dyv׳z׳] xal zic, ivsp־)־s(ac, 30'>»1׳z־a xai Cmol ::010031, tov ׳־!'<׳ 3־/.TOV C0)0V, T7}V 0pyrj3».v . . . 2; Seneca, epist. 113. Seneca g'bt an, was in dieser Sache vorgebracht wurde; er selber schliesst sich der Ansicht der Schule nicht an: Ego in alia esse me sententia professus sum . . . non enim quicquid ab homine fit, homo est. . . haec disputamus adtractis supereiliis fronte rugosa, non possum hoc loco dicere illud Caecilianum: ״O tristes ineptias!“ ridiculae sunt. 3) Vgl. Zeller a. a. O., S. 120.

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